Plötzlich nur noch 10% der heutigen Krankenzahl?

Depressiv

13.07.2017

Könnten auch Sie in zwei Minuten werden – genauso wie ich – beim Lesen des folgenden Textes. Wurde mir zugefaxt. Aus irgendeinem Buch.

Der Text wirkt deshalb so schlimm, weil er zutrifft. Weil man sich hineindenken kann. Weil man die Wahrheit sofort erkennt. Aber – besonders wichtig – keinen Ausweg. Auch ich habe hier keine raschen Vorschläge.

Es geht um das System. Das uns helfen will, in Wahrheit umbringt. Aber lesen Sie doch einfach mit (wenn Sie sich trauen):

  • Onkologie, 5. Stock, Westflügel; Kardiologie, 2. Stock, Hauptgebäude
  • Der Körper ist aufgeteilt in Stockwerke und Flügel. Die lebenswichtigen Organe sind fein säuberlich voneinander getrennt.
  • Die Leute verlaufen sich unterwegs und halten sich an großen gelben Umschlägen fest, die technische Informationen über ihre Eingeweide enthalten, so ähnlich wie sie sich auf dem Finanzamt an ihre Steuerbescheide und Rechnungen klammern.
  • Im Großen und Ganzen unterscheidet sich dieser Ort kaum von anderen öffentlichen Gebäuden in der Stadt. Es ist kein Haus der Zuversicht oder der Heilung; jedenfalls nicht, wenn wir damit Ganzheit meinen. Es ist ein großes bürokratisches Industrieunternehmen.
  • Man kommt hierher, um seinen Körper anschauen zu lassen, Teile herausnehmen, Prothesen einsetzen zu lassen oder Medikamente verabreicht zu bekommen, und zwar in dem jeweils dafür eingerichteten Gebäudeteil. Wie könnte es anders ein?
  • Es gibt eine Schlange vor dem Schalter, wo die Termine vereinbart werden, eine Schlange am Abholschalter für die Untersuchungsergebnisse, eine weitere vor der Kasse. Hier und da finden sich Reihen von Stühlen, die im Boden verankert sind.

In solch einem System bin ich groß geworden. Und mit mir unzählige andere meiner Kollegen. Das muss abgefärbt haben.

Unbewusst abgefärbt. Damals habe ich das Universitäts-Klinikum Erlangen als „normal“ empfunden. Ist halt so. Habe mich nicht in den Patienten hineinversetzt. Das Ganze mal aus seinen Augen betrachtet.

Was ich heute tue. Und prompt depressiv werde. Ausweg? Ich kenne keinen.

PS: Oder vielleicht doch? Umschwenken auf Molekularmedizin? Frohmedizin? Epigenetik?  Plötzlich nur noch 10% der heutigen Krankenzahl? Institute überflüssig?

Kann sofort Realität werden, wie auch Sie wissen. Wir praktizieren das nämlich tagtäglich hier in Roth. Und mit mir immer mehr Ärzte in Deutschland.

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