nur, wenn Sie den Herzinfarkt schon hinter sich haben …

Cholesterin – endlich mal was Vernünftiges

04.12.2017

Cholesterin für sich zu verteufeln ist falsch. Beruht auf Märchenerzählungen. Deshalb gibt es ja so Bücher wie „Die Cholesterin-Lüge“. Die alle ein bisschen Recht haben. Wir alle haben gelernt, dass es auf den bösen Anteil ankommt. Auf LDL-Cholesterin. Hier gibt es sogar noch gefährlichere Abstufungen: Das VLDL-Cholesterin. Noch kleinere Partikel. Werden in meiner Praxis automatisch mitgemessen.

Bei erhöhtem LDL greift Ihr Arzt automatisch zum Statin. So hat er das gelernt. Ein falscher Reflex, wie Sie inzwischen wissen. LDL wird ja nur dann wirklich gefährlich, wenn Sie gleichzeitig Lipoprotein a haben. Und gegen Lipoprotein gibt es leider kein Statin und auch sonst kein Mittel. Das verschweigt die Statin-Industrie ganz verschämt.

Die kann nur – sichtbar, überzeugend – mit ihrer Tablette LDL senken. Wie gesagt: Haben Sie kein Lipoprotein, war das umsonst. Haben Sie Lipoprotein, dann nützt Ihnen das

  • nur, wenn Sie ein Mann sind. Nicht bei der Frau.
  • nur, wenn Sie den Herzinfarkt schon hinter sich haben. Nicht als Vorsorge.
  • Und dann auch nur in grob 1,7%. Sie kennen die Zahl.

Wenn Sie jetzt ein kleines bisschen unter Nebenwirkungen nachlesen, wissen Sie, weshalb manche deutsche Ärzte die Rezeptur von Statin als „bedenklich“ einstufen.

Da freut mich doch, beim Stöbern über das so schwer erklärbare Cholesterin-Problem auch mal auf etwas Vernünftiges zu stoßen. In Clinics 2008 Aug; 63(4): 427. Die gehen das ganze Problem viel raffinierter an, übrigens auch viel hundsgemeiner, wie Sie am Schluss verstehen werden. Die haben einfach durch Sammeln von Zahlen und Diagnostik am kranken Herz herausgefunden, dass es in Wirklichkeit auf etwas ganz anderes ankommt. Nämlich auf

  • das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL-Cholesterin (TG/HDL-c). Wenn dieses Verhältnis auf über 4 ansteigt, wird es gefährlich.

Etwas genauer: Das Ausmaß einer koronaren Herzerkrankung (Sie wissen schon, Stent, Infarkt usw.) war deutlich erhöht bei

  • erhöhten Triglyceriden um 102%
  • niedrigem HDL-c … Risiko steigt um 121%
  • erhöhter Quotient TG/HDL c bringt erhöhtes Risiko um 101%

Ausdrücklich gab es keinen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der koronaren Herzkrankheit und dem Gesamtcholesterin. Beruhigt mich ungemein. Meins war 45 Jahre lang 362 mg %. Ich bin herz-gesund.

Und ausdrücklich war das Ausmaß der koronaren Herzkrankheit nicht abhängig vom LDL-c. Das wollte ich nur wissen. Auf diesen Punkt baut die gesamte Statin-Industrie. Umsatz derzeit in den USA 5,5 Milliarden Dollar. Niemand schämt sich.  Jeder lächelt und kassiert.

Wir haben also einen neuen, wohl definierten Risikofaktor. Diesen Quotienten. Haben Sie die Gemeinheit dahinter durchschaut?

  • Triglyceride heißt: Sie essen zu viel Kohlenhydrate. Trinken zu viel Alkohol.
  • Niedriges HDL-Cholesterin bedeutet nur eins: Sie laufen nicht täglich.

Wir haben vor uns also, verkleidet in einen höflichen Quotienten, den übergewichtigen Nichtläufer. So einfach wird manchmal die Wahrheit.

Sepsis…

Artikel #929 vom 04.12.2017

…und septischer Schock sind in der Regel tödlich. Zu über 50%. Heißt übersetzt: Sie erkranken an Lungenentzündung, Nierenbeckenentzündung, Gallenblasenentzündung, und finden plötzlich den Körper überschwemmt von Bakterien, von Entzündungsstoffen. Sie bekommen höchstes Fieber, werden schwer krank. Landen auf der Intensiv-Station. Selbst unter rechtzeitiger und bester Behandlung ist die Todesrate heute noch 25%. Betrifft immerhin 15 bis 19 Millionen Menschen jedes Jahr.

In den Entwicklungsländern kommt es in etwa 60% zu tödlichem Ausgang. Sie sehen, wir haben es mit einer schweren Krankheit zu tun, die jeden von uns jederzeit befallen kann.

In den letzten 30 Jahren wurden über 100 Studien durchgeführt, in welchem neue Medikamente oder neue Therapien ausprobiert wurden. Nicht eine einzige dieser 100 Studien hat irgendein hoffnungsfrohes Ergebnis gebracht. Man sucht also verzweifelt nach einer

neuen Therapie

und hat sie gefunden. 2017. Beschrieben in einer wunderhübschen kleinen Studie an nur 47 Patienten.

  • Die Hälfte wurde intensiv nach den Regeln der Schulmedizin behandelt.
  • Die andere Hälfte bekam zusätzlich 6g Vitamin C infundiert, zusammen mit etwas Cortison und Vitamin B1.

Ergebnis:

  • Noch im Krankenhaus starben
  • 40,4% der üblich behandelten Sepsis-Patienten
  • Nur 8,5% der mit Vitamin C behandelten Patienten

Für Intensiv-Mediziner ein Donnerhall. Schon deshalb beinahe bestürzend, weil man so etwas primitives wie 6g Vitamin C, als Infusion, ja wohl schon einige Jahrzehnte zur Verfügung gehabt hätte. Und, gerade als Intensiv-Mediziner, für so ein Larifari wie Vitamin C (denken Sie nur an den alten, vertrottelten Linus Pauling…) nun wirklich keine Zeit übrig hatte. Intensiv-Mediziner arbeiten ernsthaft, seriös und fast rund um die Uhr.

Dummerweise sterben sehr viele ihrer Patienten. Und da wird soeben in einer eindeutigen Studie bewiesen, dass Millionen dieser Sepsis-Patienten umsonst gestorben sind. Millionen!

Weil man dem Zeitgeist, der Mode folgend Vitamine, fast sämtlich nobelpreiswürdig, abgetan hat. Hintergrund ist selbstverständlich unser von der Pharmaindustrie korrumpiertes Denken. Da schließe ich mich selbst als schuldig ein.

Ich war so ein Intensiv-Mediziner. Und war noch stolz auf mich.

Quelle: CHEST 2017; 151(6):1229

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