Betablocker

Die Form ist entscheidend.

10.12.2017

Gast-News Nr. 26

Wer als Meditationsanfänger mit dem meditieren beginnt, beginnt selten richtig. Das merkt er am fehlenden Erfolg. Prompt ist er enttäuscht.

Das kann daran liegen, dass wir Hollywood-Bilder gespeichert haben. Dass unsere Vorstellung von Meditation verzerrt ist. Frauen und Männer in orangenen Roben, Beine im Jogasitz, Zeigefinger und Daumen zusammengelegt,… vielleicht sehen Sie sogar Elefanten und Räucherstäbchen vor Ihrem geistigen Auge, wenn Sie das Wort Meditation hören?

Wunderbar. Dann haben Sie ein gesundes Gehirn.

    • Das Gehirn ist kein Computer, der Ihnen die objektive Realität berechnet. Also stimmige Informationen gibt. Das Gehirn simplifiziert. Lässt Informationen weg. Lesen Sie jeden Tag in der Zeitung „Weihnachtsmarkt“, kann es sein, dass Sie ein ausländisches Straßenschild „Weibhaachstraat“ mit ersterem Wort spontan verwechseln. Und erst kurz darauf erkennen, dass Sie sich…getäuscht haben. Sie sind dann ent-täuscht.

Freuen Sie sich

    .

Sie haben ein Täuschungspaket aufgelöst. Ihr gesamter visueller Sinn funktioniert so, wie auch alle anderen Sinne, die Sie besitzen.

    • Erinnern Sie sich noch, wie wir als Kinder mit offenen Augen langsam eingeschlafen sind? Wir haben die Schatten in unseren Schlafzimmern betrachtet. Gruselige Gesichter gesehen, haben auch tagsüber die Farbenvielfalt wirklich genossen. Mit den Formen der Welt nicht nur gespielt und Sandburgen gebaut, sondern die Muster der Natur staunend wahrgenommen. Das erste MS-DOS Spiel mit 3D Tiefen-Effekt hat mein Gehirn derart überfordert, dass ich heulend weggerannt bin. Wir haben einen natürlichen

Ur-Respekt 

    vor den Formen des Universums.

Eine praktische „WIE meditiere ich?“ Anleitung ist, sich wieder zu trauen. Wenn Sie merken, dass Sie bei den ersten Meditationsversuchen auf allzu großen Widerstand treffen, dann ist Ihr Gehirn mit Paketen vollgestopft. Lösen Sie die einfach auf. Indem Sie Ihr Gehirn tagsüber weichmachen.

Die Vorstellung, Äste im Wind oder vollbeschmierte Notizzettel bestünden aus lebendigen Tierchen ist uns arg peinlich. Kann man tagsüber ja für sich machen, sich einbilden. Behandeln Sie dennoch mal – praktischer Ratschlag – nur zwei Gegenstände aus Ihrem Arbeitsalltag wie ein Tierchen. Bei Tieren ist man vorsichtig, achtet auf kleinste Formabweichungen wie Verletzungen, guckt wo die Augen sind, spürt wie es zittert.

Feuer im Kamin hilft auch ungemein. Ein Waldrand, Wolken, die wunderschönen Bilder von Milch im Kaffee,  wenn Sie den umrühren, kreisen lassen.

Entdecken Sie die Formen wieder für sich.

    Ein übrigens sehr eigenartiger Effekt der (geheimen) Formenliebe ist, dass Tiere, echte Tiere, das merken. Tiere merken, wenn Sie aufhören, Paketschnürer zu sein. Und einfach nur im Formenmeer schwimmen, sich auf eine Aufgabe konzentrieren. Dann kommen Ihnen Tiere ganz nahe. Meine Mutter rupft Unkraut in unserem Garten, mit einem Reh nur wenige Fuß entfernt. Völlig normal.

Ein weiterer Formenschwimmer ist mein Freund Michael. Hat einen natürlichen Ur-Respekt vor den Dingen, Formen, Lebewesen (wo ist denn der Unterschied?) des Universums.

Drum ist er nie alleine. Die werten Damen fühlen das. Völlig normal. Dazu braucht’s keine Räucherstäbchen. Peinliche Esoterik. Es braucht die Freude an den Formen dieser Welt.

Ein Rechtsanwalt und die Genetik

10.12.2017

Rechtsanwälte können eins hervorragend: Die Sache auf den Punkt bringen. Wenn sie wollen. Und wenn die dann noch sarkastisch werden, dann wird’s so richtig vergnüglich. Daher habe ich den ganzen Vormittag nur noch breit gegrinst nach Lektüre der heutigen mail. Möchten Sie auch mal?

„Aufgrund zu hohen Blutdrucks zähle ich seit 15 Jahren BetaBlocker – 50mg Metohexal – zu meinem täglich Brot. Neben dem Brot mit der Salami drauf. Ursache? Unbekannt. Umformuliert: vererbt. Hat der Papa ja auch. Hat meine Schwester nicht. Wird bestimmt mal sauer sein, dass die nix geerbt hat. Warum habe ich eigentlich nicht den niedrigen Blutdruck von der Mama geerbt? Grund zur Sorge? Nö. Die Pillen helfen ja. Täglich. Ein Leben lang. Ein kleiner Gedankenblitz kam auf – hier wird doch nur die Wirkung behandelt, aber nicht die Ursache eruiert. Ach ja, die Ursache ist ja das Erbe. Das kann man nicht ausschlagen. Schon gar nicht heilen. Ist halt so. Die Erde war ja auch mal ne Scheibe. Das war halt so. Da konnte man auch nix machen.

Szenenwechsel. Nachricht von der besten Freundin (Anfang 30). Liegt die doch plötzlich im Krankenhaus. Diabetes Typ 1. Gestern Bluthochdruck, heute Diabetes, morgen…? Da wird das Bewusstsein geschärft. Der Wecker klingelt. Man könnte sich ja mal mit Gesundheit beschäftigen. Gesagt, getan. Das große Versandhaus im Internet aufgerufen, was haben die denn da? “Forever Young”? Klingt gut. Will ich haben. Will ich auch sein. Kommt nämlich nicht nur meiner Gesundheit, sondern auch meiner Eitelkeit entgegen. Als Printmedium und Hörbuch erworben (Matthias Lühn garniert perfekt Ihre zynisch – sarkastische Art mit seiner Stimme). Klingt interessant, was der Mann da erzählt. Und vor allem: plausibel.

Da fragt sich der Anwalt in mir: ist das schwere Erbe des Blutdrucks nicht doch auszuschlagen? Die Leerbücher schweigen und da kommt der Dr. Strunz mit seinem Büchlein um die Ecke und was finde ich? Zwar keine §§, aber dennoch die Lösung. Eine einfache Lösung.

Ernährung + Bewegung + Entspannung = Gesundheit.

Da reicht das kleine Einmaleins, um das zu verstehen. Scheint im Medizinstudium aber keine Voraussetzung zu sein. Sonst wüssten das mehr. Eine Woche Krankenhausaufenthalt mit xy Ärzten, vom Unter- bis zum Oberarzt, doch keiner hat den heiligen Gral der Gesundheit für sich entdeckt. Und noch weniger für den Patienten. Dabei ist die Formel doch so simpel und so einfach zu erläutern. Versteht jeder. Sollte zumindest.

Da stell ich mir die Frage:

  • Wissen die das nicht?
  • Wollen die das nicht?

Oder – ein Schelm, wer Böses dabei denkt –

  • Dürfen die das nicht?

Keineswegs erlaube ich mir eine Pauschalkritik an der Ärzteschaft. Wenn das im Studium nicht auf dem Lehrplan steht, können die das nicht wissen. Doch wer ist Hüter des großen Geheimnisses? Oder wer ist dafür verantwortlich, dass dieses Geheimnis gehütet wird? (In diesem Zusammenhang ein großes Lob an meine Hausärztin. Die läuft mit Schrittzähler durch die Praxis. Die bevorzugt Homöopathie. Die hat mir autogenes Training an- und eine OP abgeraten.)

Um es auf den Punkt zu bringen:

Vor “Forever Young”: täglich Salamibrote und Süßigkeiten. Wöchentlich Tiefkühlpizza und McDonalds. Alle paar Tage mal Obst und Gemüse. Joggen 1-2 mal die Woche, sonst kein Sport, tägliche Schritte maximal 2000. Meditation nie. Bei 50mg Metohexal Blutdruck 130:80, Ruhepuls 75, 83kg bei 181cm – vom Gewicht her also durchaus im Rahmen und mich daher nie für krank befunden. Heute weiß ich: das war krank.

Nach “Forever Young”: das tägliche Salamibrot von der Agenda gestrichen. Ebenso McDonalds und die Tiefkühlpizza. Stattdessen: Nüsse, Leinensamen, Haferkleie, Chiasamen, Quinoa, Zimt, frische Beeren (wahlweise Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren) in ne Schale, Milch oder Soya drüber. Guten Appetit. Täglich Obst und Gemüse. Joggen 3-4 mal die Woche, sonst Radfahren oder Seilspringen. Meditation 20 Minuten täglich.

Und da schau her: Blutdruck 120:80, Ruhepuls 60. Ein “Aber” gibt es noch. Ein großes “ABER”. Das ganze bei nur noch 12mg Metohexal, nicht mehr 50mg. Komisch. Da scheint mit dem Erbe irgendwas schief gelaufen zu sein. Oder mit der Medizin. Oder mit der Beratung über Medizin. Na wenn das mal so weitergeht, dann ist das Erbe futsch. Man stelle sich nur vor, dies täte jeder so. Dann ist nicht nur mein Erbe futsch, sondern auch das der Pharmakonzerne. Und dann sind wir wieder bei dem Schelm, der so böse Gedanken denkt….

Naja: Vielleicht sind die Gedanken gar nicht so böse. Vielleicht denkt der Rechtsanwalt nur logisch und geradeaus. Welcher Pharmakonzern möchte gerne pleitegehen? Stellen Sie sich nur mal den Herrn Direktor ohne Sekretärin und Dienstwagen vor. Was tut der den ganzen Tag? Sehen Sie…. und drum verwendet der 10% der Einnahmen, also Milliarden Euro für Public-Relation. Er verkauft seine Produkte.

Dass der dabei Menschen schadet, deren Gesundheit gefährdet, können Sie in den News „Betablocker“ nachlesen. Nur: Der Herr Direktor hat ja auch keinen Eid geschworen. So wie wir Ärzte und wie die Frau Bundeskanzlerin.

Dann allerdings wird´s kritisch: Wir Ärzte verschreiben diese Betablocker ja. Und die Frau Bundeskanzlerin…. jetzt lieber nicht weiterdenken.

Die glasklare Logik von Rechtsanwälten ist leider ansteckend.

 

Und jetzt… die Betablocker

Das wohl am häufigsten verordnete Herzmittel. Betablocker. Sollte den Blutdruck senken, den Puls verlangsamen. Ganz typisch: Jetzt folgen nicht all die möglichen Nebenwirkungen. Die stehen nur im Kleingedruckten.

Seit ich persönlich im Selbstversuch die komplette, absolute Impotenz nach Betablockern erlebt habe, wusste ich, dass auch die übrigen Nebenwirkungen wohl eher keine Nebenwirkungen sind. Nun gut. Mit meiner Meinung stand ich – wie so oft – zunächst allein.

Heute nicht mehr. Heute wird es für Betablocker langsam eng. Ihre Beliebtheit ist inzwischen weltweit auf dem Sinkflug. Denn eine wachsende Zahl von Beobachtungen spricht dafür, dass der Nutzen etwas sehr eng Begrenztes ist, der Schaden aber recht häufig eintritt.

Anlass ist eine nagelneue Studie im Circ Cardiovasc Qual Outc, 30.09.2014. Da hat man 15 000 etwa 60jährige versammelt. Alle mit typischen Risikofaktoren: Bluthochdruck, viel Cholesterin, Typ II Diabetes. Heißt in meiner Sprache ja anders: Ich nenne das: Massiv übergewichtig. Bin hier wohl voreingenommen. Oder?

6 600 von diesen 15 000 bekamen Betablocker. Jetzt kommt’s: die Wirkung war sehr durchwachsen.

Günstig:
Waren Betablocker für Patienten, die schon einmal einen Herzinfarkt erlitten hatten. Moment, Moment: Günstig heißt, die Gefahr einer erneuten Herzattacke wurde gesenkt. Freilich war die Todesrate in den nächsten zwei Jahren exakt die gleiche. Ob mit oder ohne Betablocker. Das heißt also günstig.

Alle anderen Patienten, also alle ohne Herzinfarkt, Schlaganfall hatten keinerlei Nutzen von Betablockern. Wozu dann geben?

Nicht schädlich:
Waren Betablocker nach Schlaganfall oder Beinarterien-Verschluss. Wohl verstanden: Nicht schädlich. Hat also auch nichts genützt.

Schädlich:
Waren die Betablocker für alle anderen Patienten: Wer noch keinen Schlaganfall erlitten hatte, hat jetzt ein erhöhtes Risiko dafür. Dank Betablocker.

Geht Ihnen der Hut hoch? Sträuben sich Ihre Haare? Falls nicht, lesen Sie den Politikteil der Zeitungen. Oder Sie sind Arzt. Also vieles gewohnt.

Die Arbeit wird selbstverständlich kommentiert. In der üblich wissenschaftlich verbrämten Sprache. Also nichtssagendes Gestammel. So wie unsere derzeitige Verteidigungsministerin über den Zustand der Bundeswehr. Wir hier unten in Bayern könnten durchaus deutlich werden. Aus therapeutischen Gründen sogar saugrob:

Betablocker? Wieder so ein dubiöses Mittel! Gilt – bleiben wir fair – für Menschen mit Risikofaktoren, sprich Übergewicht.

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