Ultraman ist der große Bruder des Ironman

Sport ist Körperkunst

22.12.2017

Erinnern Sie sich noch an Klaus Haetzel? Chef des Berliner Presseamtes? Krebs-Patient. Der dem Krebs davonlief. Zum ersten deutschen Ultraman wurde. Seine Altersklasse gewann.

Ultraman ist der große Bruder des Ironman Hawaii. Beim Ultraman haben Sie 3 Tage Zeit. Sie dürfen die ganze Insel, die größte Insel Namens Hawaii umrunden.

  • 10 km Meeres-Schwimmen
  • 424 km Rad-Fahren
  • 84 km Laufen

Ich habe Klaus einmal einen Philosophen genannt. In Wahrheit ist er ein Dichter. Lese soeben wieder sein kleines, mich jedes Mal aufregende (Puls, Blutdruck) Büchlein „Wege auf Wasser und Feuer“ bei ECON. Bitte nicht abends oder nachts lesen. Sie schlafen nicht.

Und finde darin – wie so oft, plötzlich und neu (kennen Sie auch)  – die Zeilen

    „Jeder Sportler ist auch die Verkörperung der Kunst. Körperkunst. Eine Plastik, abgerungen der Natur.
    Athletisches Bemühen ist Körpersprache. Es ist die Gestik der ästhetischen Bewegung, getreu den Regeln und der physikalischen Funktion, die jeden Sport zu einer schönen Kunst erhebt. Die Vergänglichkeit, die Flüchtigkeit der nicht zu wiederholenden Gebärde verleiht dem Kunstwerk die erhabene Dramatik.
    Freude ist Bewegung, die den äußeren Ausdruck sucht. Manchmal den äußersten. Oder wie Willy gestern sagte: Poetry in motion.
    Der Große Kreis, den wir mit unseren Gliedern um die Insel schreiben, ist ein Gedicht, das wir der Glut in ihrem Boden abgerungen haben. Die Einsamkeit ist unser Publikum, das Schweigen auf der lavaschwarzen Bühne der Applaus.

Die große Insel Hawaii verändert jeden Wettkämpfer nach wenigen Tagen. Nimmt seine Seele gefangen. Keiner der Teilnehmer hat am Start den Ultraman (noch) als Wettkampf empfunden. Schon eher als Magical Mystery-Tour. Als großes Geheimnis, dass sich da in der Lavaglut vor einem noch verbirgt, und dem man sich Stunde um Stunde nähert. Enthüllt wird das Geheimnis unweigerlich jedem am dritten Tag. Beim Doppel-Marathon. Bei gemessenen 44 Grad Celsius in der Sonne.
Dass die Lava-Wüste, dass die verschiedensten Klimazonen, dass der aktive Krater, den wir ebenfalls umrundeten die Seelen der Menschen berührt, lese ich ab aus der Huna-Religion (News vom 18.12.2013).
Ich hatte darüber geschrieben. In meinen Augen der erste wahre Zugang zu dem Geheimnis, das sich hinter dem Wort Religion verbirgt. Da braucht es kein tausend-seitiges Buch, da genügen sieben Sätze, wie z.B.

  • Energy flows where attention goes.
  • There are no limits.
  • The world is what you think it is.

Über jeden einzelnen dieser sieben Sätze könnte/sollte man ein Buch schreiben. Ist noch nicht geschehen. Man schreckt instinktiv zurück. Weil jeder von uns fühlt, ahnt, dass hier die menschliche Existenz erstmals WAHR beschrieben wird.

Für den Wettkampf galt Zatopek. Unnachahmlich und hilfreich sein Satz:

    Hier ist der Start, dort das Ziel.
    Dazwischen wird gelaufen.

Eben nicht geschwätzt, nicht gegrüßt, nicht stehen geblieben (in den Versorgungsstationen), nicht Schwämme gereicht, nicht Eiswürfel unter die Kappe geschoben, nicht Schuhe gewechselt, sondern ein Becher Wasser getrunken. Vorprogrammiert. Fokussiert.

Die Einsamkeit war unser Publikum, das Schweigen auf der lavaschwarzen Bühne der Applaus.

 

Sie wissen ALLES.

22.12.2017

Gast-News Nr. 35

Wenn’s im Fuß zwickt, beim Joggen, mit jedem Schritt ein bisschen unangenehmer Schmerz entsteht…

Dann freut man sich (tun wir mal so), dass sonst alles in Ordnung ist. Und erinnert sich daran, was ein Interesse ist.

Ein Interesse ist es, diesen Schmerz loszuwerden. Und weil man unentwegt weiterläuft, belastet man den anderen Fuß eben etwas mehr.

    • Läuft man zu zweit, fangen jetzt vielleicht die Gedanken an. Ob der andere merkt, dass man grad ein bisschen humpelt. Und der Laufpartner ist ein netter Kerl. Der sich für andere

interessiert

    . Der teilnimmt an meinen Interessen.
    • Oder: Der Laufpartner hat sich aufgerafft, mal wieder mit uns zu laufen. Obwohl er doch 3 Wochen pausiert hat. Und hat jetzt Seitenstechen. Er erinnert sich daran, was ein

Interesse

     ist. Er will diesen Schmerz loswerden. Und weil man unentwegt weiterläuft, drückt man seine Finger ins Zwerchfell.

Vielleicht fangen bei ihm dann die Gedanken an. Ob wir merken, wie er seine Hand, wie ein blutiger Laufanfänger, ins Zwerchfell bohrt. Wie peinlich. Dabei ist er doch eigentlich ein sehr guter Läufer.

Hier hilft die Wissenschaft (tun wir mal so), und sagt uns, dass wir leider unsere persönlichen „Interessen“ immer in den Köpfen anderer rumschwirren sehen (siehe, Egocentrism drives misunderstanding in conflict and negotiation, Journal of Experimental Social Psychology 51 (2014) 15-26).

Nur, so sind wir halt. So funktioniert eben der Mensch. Nennt sich intuitive Empathie. Jeder hat mal Schmerzen. Jeder hat „Interessen“. Wir sind alle Menschen. Also gibt es immer etwas, das uns verbindet.

    Erinnern Sie sich ans Gotische? Worte, die mit me- beginnen, sind Dinge, die vor uns liegen. Worte, die mit mi- beginnen, sind Dinge, die vom Kopfe hochsteigen. Das gotische Wort für „mein“ ist „meins“ und beginnt mit me-. Das gotische Wort für „Gedanke“ ist mitōns und beginnt mit mi-.
    Mein Gedanke. Ein Gote würde sagen, der Gedanke ist im Zentrum. Der Besitz, mein, dagegen liegt vor uns. Deshalb legen wir unsere Interessen immer in das, was vor uns liegt. Legen Fleisch auf den Tisch. Legen Schönes in die Welt. Bringen den Menschensamen unter.

Ihr Gedanke ist ihr Laufpartner. Ihr Gedanke ist ihr Partner. Ihr Gedanke ist die Welt.

The world is what you think it is.

Ein Satz der Huna-Religion. Aus Hawaii. Wenn Goten und Hawaiianer dasselbe sagen, darf man sich, ganz rational, mal fragen, wo kommt das her? Wenn sich Sprach-Gedanken über tausende Kilometer um die gleiche Wahrheit drehen. Wir unser Verhalten danach richten.

Es kommt alles aus dem einen Unterbewusstsein.

Die Wissenschaft entdeckt allmählich, was wir Menschen, wir Läufer, längst wissen. Wir laufen unentwegt weiter. Und machen uns liebe Gedanken. Die wir in die Welt legen.

Muns. Gotisch für Guter Wille. Liebe. Der gute Gedanke. Lauf-Gedanke.

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