Multivitamintabletten, Vitamin C, Vitamin E, Kalzium

Lügen durch weglassen

16.02.2018

Eine verbreitete menschliche Eigenschaft. Nachweislich des SPIEGELS. Jeder Patient tut´s dem Arzt gegenüber. Selbstverständlich auch ich. Kann man auch selektive Wahrnehmung nennen.

Ein wunderhübsches Beispiel die Ihnen inzwischen so bekannte VITAL-Studie. Erinnern Sie sich? „Vitamin B6 und VitaminB12 macht Lungenkrebs“. Kurz zum Hintergrund.

  • In dieser Studie wurden 77 738 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 76 Jahren über zwei Jahre von 2000 bis 2002 mittels eines Fragebogens über ihre Ernährungs- und Lebensgewohnheiten befragt.

Auch über die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten und die Vitamin-Einnahme über die letzten zehn Jahre.

Also auch dem Gedächtnis befragt! Nette Idee, aber wissen Sie, wie viel und welche Vitamine (z.B  genaue Dosis von B6 und B12) Sie damals vor 7 Jahren eingenommen haben?

(Diese Zeilen stammen von Kollegen Zitzmann. Ein penibler und präziser Denker.)

Da wurde Multivitamintabletten, Vitamin C, Vitamin E, Kalzium, und nebenbei noch dreizehn weitere verschiedene Vitamine und Mineralien „abgefragt“. Also aus den Fragebögen herausdestilliert. Und weil das Ganze so schön klang, wurde veröffentlicht

Vitamin B6 und Vitamin B12 machen Lungenkrebs

Alles andere fiel unter den Tisch. Welches andere? Jetzt wird´s wirklich spannend. Bitte vergessen Sie nicht Ihren Formel-I-Reflex:

In der gleichen Studie finden Sie eine Tabelle (TABLE 3), in welcher nachweislich andere Vitamine den kleinzelligen Lungenkrebs (Raucherkrebs) deutlich verhindern, nämlich

  • Multivitamine

in Höchstdosis (mehr als 5,6 Pillen pro Woche), verhindert Lungenkrebs um 30%.

  • Vitamin C

in Höchstdosis, also über 322 mg pro Tag (!!!!), verhindert Lungenkrebs um 35%.

  • Vitamin E

in Höchstdosis, also über 215 mg pro Tag, verhindert Lungenkrebs um 34%.

  • Folsäure

In Höchstdosis, nämlich über 400 μg pro Tag verhindert Lungenkrebs um 39%.

Ein frühes Ergebnis der VITAL-Studie (Am J Respir Crit Care Med. 2008 Mar 1; 177 (5): 524). Ist das nicht wunderhübsch? Hatte ich nicht soeben so verwundert gefragt: Vitamine sind doch essentiell, oder? Also lebensnotwendig. Also erwarte ich – als auch Laie – dass Vitamine schlimme Krankheiten verhindern, nicht etwa fördern, wie die gleiche Studie für B6 und B12 ja behauptet. Wie wir inzwischen wissen: Falsch behauptet. (News vom 13.10.2017)

NUR: Was wird veröffentlicht? Was bleibt hängen? Was drucken die Medien ab? Genau. Selektive Wahrnehmung. Lügen durch Weglassen.

NB: Wenn ich das auch tue in meinen Büchern oder News, dann wissen Sie, dass ich das Gute, Hilfreiche, Gesundmachende betone und das Böse, Schlechte, Krankmachende möglichst verberge. Einfach, um Ihnen Mut zu machen. Um Ihnen Licht am Ende des Tunnels zu zeigen, der Sie bei schon so vielen Ärzten waren und verzweifelt sind. Da brauch ich Sie nicht auch noch mit dem Holzhammer aufs Hirn zu hauen.

Dass ich mich selbstverständlich um das Böse (heimlich, nebenbei) kümmere, Ihnen auch auf diesem Gebiet selbstverständlich (!) helfe, davon dürfen Sie ausgehen.

 

Ist Omega 3 sinnlos?

16.02.2018

Könnte man meinen, wenn man die neueste Großstudie liest. Eine Metaanalyse. Also Auswertung von bereits vorhandenen zehn Studien. Mit 77.917 Risikopatienten.

Gefunden wurde, dass Omega 3 weder Herzinfarkt noch den Tod durch Infarkt beeinflusste. Also sinnlos war.

Selbstverständlich Unfug. Wieder mal eine Groß-Schrottstudie, die ja auch nicht besser sein kann als die zehn Einzelstudien. Was läuft hier falsch? Weshalb sind so viel Ernährungsstudien (angeblich 90%, siehe News vom 06.02.2018) Unfug? Kann man wunderschön demonstrieren an diesem Omega 3- Beispiel.

  • Es wurde nicht gemessen.
  • Es gibt zwar Studien, die zeigen, dass Omega 3 Herzinfarkt tatsächlich um 13% verhindert. Also nur knapp.
  • Kaum misst man aber Omega 3 im Blut, kann man zeigen, dass Herzinfarkt um 25% verringert wird.
  • Kaum misst man den Omega 3- Index (die genaueste Messung), kann man zeigen, dass Herzinfarkt um 30% verringert wird.
  • Grundsätzlicher Irrtum all dieser Studien: Typischerweise werden zwei Gruppen verglichen. Die eine bekommt nichts, also Placebo, die andere das Medikament, heißt Omega 3. Dieses korrekte Studien-Design ist mit Omega 3 nicht möglich, weil es essentiell ist. Weil jeder Mensch bereits Omega 3 im Blut hat und zwar völlig verschiedene Werte von fast nichts bis sehr hoch. Heißt schlussendlich, dass die beiden zu vergleichenden Gruppen sich tatsächlich beliebig überlappen, weshalb das Ergebnis von vorneherein entweder schwach positiv, eher wohl neutral sein muss.
  • Tatsächlich wurden in all den Studien feste Omega 3 Dosen benutzt. Leider ist bereits nachgewiesen, dass die Aufnahme von Omega 3 im Magen bis um den Faktor 13 variiert. Sie können also nach der gleichen Menge genauso gut 100mg messen wie auch 1300 mg. Was bedeutet das für Studien?
  • Also haben in sämtlichen Studien die Gruppen mit Placebo und die Gruppen mit Omega 3-Einnahme auch aus diesem Grund weit überlappende Blutwerte gezeigt. Man konnte die Gruppen in Wahrheit kaum unterscheiden. Auch das war längst bewiesen.
  • Weil man dies wusste, hat man dieses Überlappen in anderen Studien reduziert durch besonders hohe Omega 3-Dosen (in der JELIS-Studie) oder indem man Patienten gewählt hat mit besonders tiefem Ausgangswert (in der GISSI-HF-Studie). Prompt hatten beide Studien positive Ergebnisse.
  • In den Studien wurde Omega 3 praktisch immer zum Frühstück gegeben. Kann auch nüchtern heißen. Nun wissen wir, dass die Aufnahme von Omega 3 entscheidend abhängt davon, wieviel Fett soeben im Magen ist. Teilnehmer mit fetthaltigem Frühstück „bekamen“ also mehr Omega 3 als die, welche die Kapseln nüchtern nahmen oder mit ein bisschen Obst, einem Müsli und so weiter. Auch das war längst bewiesen (DART-Studie).

Fazit: Selbstverständlich verhindert Omega 3 Herzinfarkt. Wenn man sich der Sache ein bisschen wissenschaftlich annähert, wenn man zuerst nachdenkt. Wenn man durch Messung darauf kommt, dass die gleiche Kapsel Omega 3 bei verschiedenen Menschen Blutwerte erzielt, die bis um den Faktor 13 verschieden sein können. Von vorneherein.

Jede Ernährungs-Studie also, in der nicht gemessen wird, ist schlicht sinnlos. Scheint mir ein Satz von allgemeiner Gültigkeit zu sein.

Quelle: Prof. Dr. von Schacky: Editorial, in Druck.

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