dass der Mensch rasch an Gewicht zunimmt

Unerklärliche Gewichtszunahme

06.03.2018

Schreibt mir eine verzweifelte junge Dame, dass sie derzeit von Woche zu Woche mehr wiege, ihr Gewicht unaufhörlich zunähme. Seit sie mit dem Rauchen aufgehört hätte.

Sie aber ganz sicherlich nicht anders esse, im Gegenteil, am Essen spare. Sie sei verzweifelt. Was sie tun solle.

Bei solchen mails muss ich erst immer ein paar Mal langsam durchschnaufen. Mich dann auf meine Berufung als Arzt besinnen (eine schnelle Antwort als Mensch hätte ich sofort) und versuchen, der Dame zu helfen. Es gibt ja tatsächlich eine ziemlich neuartige Erklärung für das bekannte Phänomen,

dass der Mensch rasch an Gewicht zunimmt

wenn er mit dem Rauchen aufhört.

Die Erklärung findet man, hochmodern, ganz Zeitgeist, im Darm.

  • Zunächst wird die Mailschreiberin bestätigt. Das Phänomen wurde längst bewiesen zum Beispiel in Am J Epidemiol 1998 Nov 1;148 (9): 821. Wo gezeigt wurde, dass Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, im ersten Jahr danach im Schnitt 3kg, in den folgenden 5 Jahren häufig über 10kg zunehmen. Gesichertes Wissen.
  • Gewicht hängt aber auch entscheidend von der Darmflora ab. Gezeigt zum Beispiel in Nature 2006 Dez 21; 444 (7122): 1027. Übergewichtige Menschen haben eine andere Verteilung von zwei wesentlichen Bakterienarten im Darm, den Bacteroidetes und Firmicutes. Kurz gesagt das Mikrobiom, also die Darmflora von dicken Menschen hat eine „increases capacity to harvest energy“, hat also viel bessere Möglichkeiten, Essen zu verwerten.

Übrigens, das ist übertragbar: Man kann keimfreie Ratten mit der einen oder anderen Bakteriensorte besiedeln und erhält so entweder fette oder schlanke Ratten.

  • Und jetzt kommt´s: Längst gezeigt wurde (PLOS ONE März 2013, Vol 8, Is 3, e59260), dass Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, ihr Mikrobiom, die Darmflora entscheidend verändern. Nämlich genau dieses Verhältnis zwischen Firmicutes und Bacteroidetes. Womit der Kreis geschlossen ist.

Also konnte ich die Dame zunächst beruhigen. Alles längst bekannt. Alles wissenschaftlich bewiesen. Sie hört das Rauchen auf, ihre Darmflora verändert sich, die neue Darmflora kann aus dem gleichen Essen sehr viel mehr Energie „saugen“ und ihr Gewicht nimmt zu.

Was sie tun könne? Ja, du meine Güte! Wenn ich eine so einschneidende Veränderung wie den Verzicht auf Rauchen auf mich nehme, muss ich selbstverständlich auch andere Dinge ändern. Muss mich also neu adaptieren. Beispielsweise mehr Tryptophan einnehmen, um Hungergefühl, insbesondere Heißhunger abzustellen. Ein möglicher Vorschlag.

Es gibt selbstverständlich noch viel direktere Lösungen dieses Problems. Fragen Sie mal ein verhungerndes Kind in Äthiopien.

Bringt Sie auf Gedanken wie Heil-fasten oder wenigstens Intervall-fasten.

Schlechtes Cholesterin

Artikel #945 vom 05.03.2018

Nennt sich LDL-Cholesterin. Es gibt noch mehr, noch kleinere Partikel, genannt VLDL-Cholesterin. Muss man alles nicht wissen. Aufgabe des Arztes. Für Sie gilt: Es gibt ein gutes und ein böses Cholesterin.

Für das böse sind die Statine zuständig. Dachte ich bisher. Habe ich der Werbung entnommen. Habe ich Dutzenden wissenschaftlichen Arbeiten entnommen:

Statine senken LDL-Cholesterin.

Stimmt nämlich. Kann jeder bei sich selbst ausprobieren. Und wenn wirklich – laut neuesten Leitlinien – LDL-Cholesterin verantwortlich ist für den Herzinfarkt (stimmt natürlich so nicht!), dann sollten Statine Herzinfarkt verhindern.

Dumm nur: Eine der wirklich großen Studien zum Thema, die JUPITER-Studie, durchgeführt in 1315 Krankenhäusern in 26 Ländern an 17.802 Patienten wird eingeleitet mit der (auch für Sie neuen?) Bemerkung:

Die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle passiert Menschen mit tiefem LDL-Cholesterin-Spiegel.

Die Hälfte! 50%! Da dürften die Statine also gar nicht wirken? Nun… diese JUPITER-Studie zeigt, dass eben doch. Dass Statine auch bei diesen „gesunden“ Menschen mit tiefem LDL-Cholesterin die Todesrate nach bis zu 5 Jahren um 20% senkt.

Eine ganz erfreuliche Tatsache. Begründet wird das mit dem CRP. Mit dem C-reaktiven Protein. Einem Entzündungsmarker. Der uns sagt, ob an der Innenseite Ihrer Blutgefäße eine Entzündung sitzt, diese aufraut und verletzlich macht.

Behauptung also: Statine würden CRP, also Entzündung beeinflussen.

Und dann kommt Professor Hobohm. Biologe und Professor für Bioinformatik an der Uni Gießen. Der hat uns diese Statin-Studie einmal übersetzt. Darf ich? Ich tu´s mit großem Vergnügen:

  • 17.802 übergewichtige Patienten bekamen entweder Statin oder Placebo. Korrekt Doppelblind.
  • Nach 5 Jahren fanden sich 198 Tote in der Statin-Gruppe, 247 in der Kontrollgruppe.
  • In den Worten Hobohms: Wenn du übergewichtig bist und ein Statin schluckst, ist dein Sterberisiko innerhalb von 5 Jahren 2,2%, dagegen ohne Statin 2,8%.
  • Statin senkt also das Todesrisiko um 0,6%.

Studiert man die Studie (Studien sollte man wirklich studieren) weiter, wie das Professor Hobohm getan hat, findet man, dass

  • 270 Patienten in der Statin-Gruppe Diabetes bekamen, nur 216 in der Kontrollgruppe.
  • Das Risiko für Diabetes erhöht sich also um genau die gleichen 0,6% (um welche Ihr Todesrisiko sinkt).

Das klingt so ganz anders als die oben erwähnten 20%. Um welche Ihr Todesrisiko dank Statine sinken soll. Da werden Prozent von Prozent berechnet. Hobohm orientiert sich mit seinen 0,6% an den Realitäten. Unterschied frappant. Kein Wunder: Wissen Sie, weshalb die Unterschiede so auffällig sind?

  • Die Studie wurde finanziert durch ASTRA ZENECA. Die hatte nämlich das Statin hergestellt und verkauft.
  • Die Daten wurden gesammelt und ausgewählt durch genau diese Pharma-Company.

Folgerichtig steht in der Studie auch nirgendwo, dass Sie mit ein bisschen Gewichtsabnahme, ein bisschen Laufen Ihr Todesrisiko selbstverständlich weit, weit stärker beeinflussen könnten. Warum sollte das auch erwähnt werden? Da würde man womöglich ja … helfen?!

ASTRA ZENECA möchte Statin verkaufen.

Dieses Muster, aufgedeckt diesmal von Professor Hobohm, finden Sie durchgängig in der gesamten Statin-Saga.

Quelle: Heinz-Uwe Hobohm „Heilende Hitze“, Seite 48

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