Wie bekommt man den „Kopf frei“

Eilmeldung: Meditation kein Schmarrn.

25.04.2018

Gast-News Nr. 47

„Arzt & Wirtschaft. Erfolgreiche Praxisführung für Ärztinnen und Ärzte.“. März 03/2018. Auf Seite 42. Eine Seite über Stress. Und Meditation:

Zwei Komponenten sind wichtig, wenn sie eine Entspannungsreaktion auslösen sollen. Das ist zum einen ein mentaler Fokus. Man beobachtet den eigenen Atem, wiederholt ein Wort, ein Mantra oder eine rhythmische, muskuläre Aktivität. Es geht darum, den Strom der Alltagsgedanken zu unterbrechen und den Kopf „frei“ zu bekommen“.

Das klassische Kuchenrezept im Artikel „Stress erkannt, Gefahr gebannt“, des Autors Thomas Eckardt, Diplom-Psychologe.

Mmh.

Wie bekommt man den „Kopf frei“. In einem Plattenbau, Hocheffizienz-Massenviehhaltungsbüro? Mit stickiger Luft. Passiv aggressiven Mitarbeitern. Kaffeebluthochdruck. Büroumwelt.

Machen Sie sich von solchem Relativismus frei. Es gibt überall einen guten Ort. Vielleicht im Treppenhaus, vorletzter Stock, wo sich sonst niemand aufhält, direkt vor dem Fenster, von wo aus Sie einen Baum sehen.

Der dritte Hinterausgang den niemand benutzt, weil man einen Umweg laufen müsste. Mit Blick auf eine kleine Grünfläche.

Der bemooste Seitenweg ums Werk, der Umweg, neben der Schnellhungerstraße zur Konzerncafete. Blick auf unscheinbare Bäume.

Der Vorteil von Grün: hier tummeln sich Tiere. Gerade jetzt, Frühlingsbeginn. Während ich das hier schreibe, kann ich zwei Elstern beobachten. Die zusammen ein Nest bauen. Eine Amsel, die sich wie ein Hund mit dem linken Bein hinterm Ohr kratzt. Ein Eichhörnchen, das die Mauer entlangrennt.

Die Amsel setzt sich. Dreht sich. Kratzt sich. Pufft das Gefieder auf. Es regnet leicht. Sie dreht den Körper. Sie muss den Kopf stetig bewegen, weil sie Bewegung nicht mit den Augen ausgleichen kann: Was kommt jetzt? Jede Bewegung ist Teil zu überleben. Oder auch nicht. Das Tier plant nicht. Es überlebt. Oder auch nicht. Sprung und weg. Drei Spatzen landen in Dreiecksformation, 50 Meter von hier. Neuformation, etwas näher beieinander. Einer fliegt weg, die anderen zwei bleiben kurz. Folgen dann. Der Regen ist nur leicht wahrnehmbar. Ein dünner Schleier. Fast wie vertikales, künstliches Rauschen durch die Fensterscheiben,…wie ein Zittern zu erkennen. Die Blätter bewegen sich kaum. Es tropft vom Metallgestell der Tiefgarageneinfahrt. Schaut man auf alle Tropfen gleichzeitig, erkennt man das Muster. Die Wassertropfen spielen miteinander. Ein Konzert aus zufälligen Ereignissen. Kein Computer der Welt könnte das berechnen. Ich rieche Un-veränderung. Hüpfen in den Ästen. Überleben und Naturgesetz, tausende kleine Abzweigungen in den Ästen, Millionen Tannennadeln. Und doch nur sanftes Wackeln der Mutteräste, massives Wachstum, durch die Stämme „geboren“. Eleganter Vogelflug durch dieses Laublabyrinth.

Mein Kaffee ist kalt. Ups. Wo sind die letzten 10 Minuten hin?

Gehen Sie an den guten Ort. Beobachten Sie das Geschehen. Die Gedanken fließen sowieso. Oder auch nicht. Darüber braucht man sich keine Gedanken machen. Das ist Meditation.

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