Es reichte ein einziges Foto,…

Es gibt keinen Zwang zu Nichts.

02.05.2018

Gast-News Nr. 49

Stellen wir uns einen Fotographen vor. Der seit dem Urknall bis jetzt und über den Zerfall von allem hinaus Fotos des gesamten Universums schießt. Und diese an eine Schnur hängt. Wir hätten dann eine Schnur aus Fotos, die den Zustand des Universums in zeitlicher Reihenfolge beschreiben. Wir beschriften die Fotos mit ganzen Zahlen. 1, 2, 3…

Kluge Wissenschaftler können mittels Foto 4 bestimmen, wie wohl Foto 6 aussehen wird. Und kluge Wissenschaftler können an Foto 4 sehen, wie wohl Foto 1, 2 und 3 ausgesehen haben könnten. Je größer die Abstände, desto schwieriger wird das natürlich.

Das ist das klassische Gedankenmodell, das viele Menschen in sich tragen. Bis heute, im Jahr 2018. Es gab vor langer Zeit einen Urknall. Viel Zeugs passierte. Und jetzt lesen Sie diese Worte. Die nahe Zukunft steht auch schon fest. Sie werden wahrscheinlich diesen Satz… lesend… beenden. Danke.

Denken wir nun an die Zahl pi. Die Zahl pi, z.B. in Dezimalzahlen geschrieben, ist unendlich lang. Kein Bruch kann sie darstellen. Daher ist sie eine „transzendentale Zahl“. Beschmierten Sie ein Rad mit Durchmesser von exakt einem Meter mit weißer Farbe, und rollten das Rad auf dem Boden…so müsste der weiße Streifen exakt ein Pi Meter lang sein.

Unter Idealbedingungen. Das Rad müsste perfekt rund sein. Die Farbe müsste perfekt abtropfen. Es dürfte kein Nanometer weißer Farbe verdampfen. Sie benötigten perfekte Bedingungen, um „pi“ als einen weißen Farbstrich zu schreiben.

Wäre dies möglich, und nur dann, machte das oben genannte Gedankenmodell Sinn. Nur dann wäre es möglich, dass das erste und letzte Bild mit einer eindeutigen Zahl beschriftet beschrieben ist. Tatsächlich ermöglicht keine Art des Schreibens zu kommunizieren, wie viele Fotos es jetzt eigentlich gibt. Und noch schlimmer: keine Art des Schreibens ermöglicht uns festzuhalten, was ein Foto eigentlich ist. Dafür müssten wir klar abgrenzen können, ab welchen Pixel ein Foto beginnt, und wo es aufhört. Das gleiche Problem, nur in Grün.

Nur, wie können Sie denn dann offensichtlich bestimmen, wie viele Buchstaben Teil dieses Satzes sind, und was ein Buchstabe ist?

Jetzt kommt’s. Jetzt wird´s wichtig. Jetzt wird’s unheimlich. Jetzt kommen… SIE!! Sie sind ein Wunder – und können Wunder vollbringen. Passen Sie mal auf. Der Trick heißt:

Unvollständigkeit. Die exakte Position der Druckerschwärze und digitaler Pixel auf Ihrem PC ist irrelevant. Sie erkennen was ein A ist. Sie sehen wann das B beginnt. Sie verstehen, wann ein Satz aufhört. Und die Tatsache, dass die Natur uns ideale Schreibbedingungen verbietet, ermöglicht uns erst überhaupt, Buchstaben zu erkennen. Elemente (Buchstaben) und Grenzen (Sätze) zu erkennen.

Denn ideale Schreibbedingungen bedeuteten, dass die exakte Position jeden Pixels, jeden Millimeters an Realität im gesamten Universum relevant wäre. Identisch relevant wäre. Unser Fotograph bräuchte also nur ein einziges Foto machen, denn jedes Foto wäre identisch relevant. Jeder Zustand…identisch. Vorstellbar als ein geschlossener Schnurkreis aus Fotos. Oder als ein Foto.

Und wer weiß. Vielleicht ist das Universum eben das. Maximal relevant, an jedem Ort. Absolute Gleichheit. Sie und ich…fügen uns der Natur. Die es uns nun mal nicht ermöglicht, perfekt zu schreiben. Schreiben ist damit der puren Wahrnehmung am Ende unterlegen. Denn:

Es reichte ein einziges Foto,…um alle Fotos wahrzunehmen. Erfahrbar in der Meditation. Nicht im Lesen.

Sobald Sie dieses eine Foto, das nicht geschrieben werden kann, wahrgenommen haben, das fehlende Glied, das die offene Schnur zu einem Kreis schließt,…“bleibt die Welt stehen“.

„Reise nach Ixtlan“ hatte ich 2014 am wunderschönen Leopoldskroner Weiher in Salzburg verstanden. Vielleicht konnte ich mit diesen 550 Wörtern Carlos Castaneda mal etwas anders… für Sie vorfühlen.

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