die Gesamtmenge an Kohlenhydraten

Spannend!

04.10.2018

Gibt es in Deutschland einen Ort, wo man spannender unterhalten wird als im Fußballstadion? Als im Bundestag? Als in Ihrem Arbeitsplatz bei dem CHEF? Oder bei den ANGESTELLTEN? Ja. Gibt’s. Erraten werden Sie´s nicht. Darf ich? Die Arztpraxis!

Ein Arzt erlebt tatsächlich Neues. Jeden Tag eine Überraschung. Bekommt jeden Tag etwas geschildert, was er noch nie gehört hatte. Und muss es dann auch noch glauben.

Beispiel gefällig? Dame mit 36kg Übergewicht erzählt, sie esse praktisch nichts (berühmter Satz), wenn, dann nur Eiweißshakes (hat nachgedacht) und habe ständig, unablässig quälenden Durchfall. Tja, versuchen Sie das zu toppen.

In dieser Richtung, also was Schilderungen absonderlicher Lebensmomente betrifft, könnte jeder Arzt ganze Bücher schreiben. Ganz, ganz selten wird er aber wirklich auf dem falschen Fuß erwischt. Ist perplex.

So ich. September 2018.

Stellt sich junge Dame vor (jung, weil zwei Jahre jünger als ich) und fängt an eifrig zu berichten. Bitte halten Sie sich fest:

  • Sie hätte ihren Blutdruck beseitigt.
  • Sie hätte den erhöhten Augendruck beseitigt (grüner Star).
  • Sie hätte ihre Migräne beseitigt.
  • Sie hätte ihre traumatische Belastungsstörung beseitigt (man hört richtig den Psychiater).
  • Sie hätte ihr Schlafproblem beseitigt.
  • Sie hätte ihren Innenmeniskus mit Prolin geheilt.
  • Sie hätte ihren Hashimoto überwunden. Heißt Herzrasen, Durchfall, blaue Lippen. Das war für sie Hashimoto.
  • Sie hätte Diagnose COPD (News vom 20.04.2016) selbst als falsch widerlegt.

Nach diesem ausführlichen Vortrag – jeder Punkt wurde perfekt ausgemalt – lehnt sie sich zurück und lächelt. Das war´s. Fast sprachlos (will bei mir etwas heißen) formuliere ich dünn und zaghaft die Frage

Ja – und was darf ich jetzt tun?

Ich dürfe mal Ihr Blut durchmessen. Sie lege Wert auf eine Blutanalyse. Sie möchte wissen, ob sie richtig läge. Und dabei lächelt sie. Verständlich.

Mitbekommen? Da hat jemand die richtigen Bücher gelesen. Und GEHANDELT. Und hat selbstverständlich ERFOLG. Offenbar waren es die richtigen Bücher. Ist ja nicht ganz selbstverständlich.

Sehen Sie, solche Vorfälle geben mir Gewissheit. Deshalb kann ich manchen von Ihnen mit bisher unheilbaren Krankheiten oder Beschwerden spontan auf den Kopf zusagen: „Ich helfe Ihnen“. Und das meine ich dann wörtlich.

PS: Sie nicht verblüffen – mich schon – wird, das ich bei der jungen Dame selbst so abseitige Werte Vitamin D, Vitamin K1, Vitamin K2, Omega 3 ideal messen durfte. Gerade bei Vitamin K2 ist das außerordentlich schwierig. Die hatte es geschafft.

Macht mir Mut: Deutschland ist eben doch auf einem guten Weg.

 

Getreide

03.10.2018

Getreide, Gräsersamen gab es wohl schon, bevor es Menschen gab. Aber auf die Idee, Gräser zu züchten, große Ackerflächen damit zu bebauen und die Getreidekörner zu sammeln, zu mahlen und zu verzehren…. darauf ist erst der kluge Mensch gekommen. Und hat so sein Überleben auf dieser Welt gesichert.

Vorsicht: Das Überleben von immer mehr, von viel zu viel Menschen auf diesem Globus. Dafür war der – so glauben wir – ursprünglich nicht gedacht. Für über 7 Milliarden Menschen. Schon der Club of Rome hat ja die Überbevölkerung (schon damals!) als zentrale Ursache globaler Probleme ausgemacht.

Getreide ist in meiner Denkweise seit 1989 etwas Überflüssiges. Seit ich gelernt habe – in biochemischen Lehrbüchern – dass Kohlenhydrate völlig überflüssig seien für den Menschen. Was der Körper brauche, mache er sich selbst.
Getreide als Feind menschlichen Lebens hat mir die Harvard University in Boston beigebracht 2007. In einer recht genialen Studie (JAMA 2007. 298 (7):754). Erinnern Sie sich?

Die hatten ein einzigartiges Patientengut. Eintausend bereits an Dickdarmkrebs Erkrankte und Operierte. Und die wurden ganz einfach nachverfolgt:
Wer bekommt ein Krebsrezidiv.

Viermal häufiger erneut Krebs bekamen die Patienten, die sich von

  • Fleisch, Fett
  • Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln
  • Zucker (Dessert)

ernährten. Die nannten das „western-diet“. Also die ganz normale Ernährung des deutschen Bundesbürgers.
Andersherum: Viermal weniger erneuten Krebs bekamen Patienten, die sich „vernünftig“ (!!!) ernährten, nämlich von

  • Geflügel und Fisch
  • Obst und Gemüse

Das war´s eigentlich. Präziser und genauer kann man die krebserzeugende Wirkung von Brot nicht beweisen. Das Schmankerl obendrauf folgte 2010: Die Ergänzung der Studie, in welcher gezeigt wurde, das es für das vier Mal häufigere Krebs-Rezidiv-Risiko gleichgültig war, ob

  • weißes Mehl
  • oder Vollkorn-Produkte

gegessen wurden. Heißt übersetzt in die Sprache der Wissenschaftler: Es kam nicht auf den glykämischen Index an, also auf das Anfluten von schnellen Kohlenhydraten, sondern nur auf die „glykämische Last“, also die Gesamtmenge an Kohlenhydraten, ob nun schnell oder langsam. Vollkorn schützt also nicht!

Bringt mich auf die mail von heute. In Antwort auf die kürzlichen News „Gift“, in welcher die lokale Giftigkeit von Weizen (etwas ganz anderes) betont wird. Schickt mir der junge Mann eine Arbeit aus der Uni Mailand mit dem Titel „Vollkorn-Konsum reduziert Entzündung…“ und meint, gesund leben hieße doch mit möglichst geringer Entzündung, und hier werde gezeigt, dass Vollkorn Entzündung im Blut senkt. Also sei Vollkorn gesund.

as der nicht weiß: Ich war jahrelang in der Schriftleitung einer medizinischen Fachzeitschrift beschäftigt. Tagtäglich habe ich Manuskripte lesen dürfen. Überprüfen auf Tauglichkeit. Wenn da das Wort „Mailand“ fiel, klingelten bei mir die Alarmglocken.

Also habe ich die ausführliche Studie gelesen. Wort für Wort. Hat der Einsender natürlich nicht getan. Gezeigt wird hier, dass geschrotetes Vollkorn, 70g am Tag, nach 4 Wochen tatsächlich bekannte Entzündungsfaktoren absenkt, nämlich Tumornekrosefaktor alpha sowie Interleucin 6 (IL 6).
Wird behauptet.

Liest man die Studie wirklich (ich kann das immer nur betonen!), findet man in Tabelle vier die Messwerte:

Gemessen wurde genau das Gegenteil. Unter Vollkorn stiegen die Entzündungsfaktoren.

Es ist schon immer peinlich, wenn man seine Texte fälscht, aber vergisst, der Sekretärin zu sagen, dass sie auch die Zahlen umtauschen müsse.

Grundsätzlich sind Schlacken (im Vollkorn enthalten) selbstverständlich entzündungssenkend. Über kurzkettige Fette. Wissen wir. Nur sollte man eben gesunde Ballaststoffe verwenden, also Gemüse.

Von diesen gefälschten Ernährungsstudien geistern Hunderte, wahrscheinliche Tausende durch die Literatur. Und werden immer wieder zitiert. Einige hatte ich ja schon kommentiert.

PS: Ich kann auch denken. Hier wurden nicht etwa Spalten vertauscht (gucken Sie nach). Denn weitere Entzündungsmarker in der gleichen Tabelle hatten sich „richtig“ verhalten.

Quelle: Am J Clin Nutr, Vol.101, Iss 2, 1 Feb 2015, p.251

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