Tierisches Eiweiß senkt die Sterblichkeit

Gnadenlos

09.11.2018

Jetzt geht ´s ans Eingemachte. Um eine zentrale Lebenshilfe. War mir persönlich lange gar nicht bewusst. Erst meine berühmte kleine Frau hat mich mehrfach darauf gebracht und ermahnt mich fast täglich:

„Du unterschätzt den Alkohol“.

Nämlich die Tatsache, dass 94% der Deutschen regelmäßig diese Droge konsumieren. Aus leicht verständlichen Gründen. Wie soll man dieses Leben denn sonst aushalten? Wie soll man denn sonst am Abend abschalten? Woher sonst das glückliche Lächeln in dämmernden Gesichtern von Bundestagsabgeordneten während der ewig-langen Ansprachen? Gibt es überhaupt Menschen, die ohne Drogen auskommen?

Aus dieser wohligen Welt der Verantwortungslosigkeit holt uns jäh die berühmte Mediziner-Zeitschrift „Lancet“ (doi: 10.1016/S0140-6736(18)31310-2) und zwar mit DER Studie. Die das Thema Alkohol wissenschaftlich abschließt.

Wohlgemerkt: nur wissenschaftlich. Nicht emotional-menschlich.

  • ausgewertet wurden über tausend Einzelstudien
  • aus 195 Ländern (also nicht nur aus Südfrankreich)
  • erfasst waren 28 Millionen Menschen
  • mitgearbeitet hatten über 500 Wissenschaftler

Das ernüchternde Fazit dieser wirklich umfassenden Großarbeit kurz und knapp:

  • Bei Alkoholkonsum gibt es keine unbedenklich Menge.
  • Jedes Glas ist ein Glas zu viel.
  • Der Mythos, dass ein oder zwei Gläser pro Tag gut für jemanden sind, ist nichts anderes als das, als ein Mythos.
  • Der positive Effekt, den wenige Gläser bei einigen (!!!) Herzerkrankungen haben, wird durch das erhöhte Risiko für Krebs, Infektionskrankheiten, Verletzungen und andere alkoholbedinge Erkrankungen aufgehoben.
  • Es gibt eine klare und überzeugende Korrelation zwischen dem Trinken und dem vorzeitigen Tod, Krebs und Herzkreislauferkrankungen.

Das war ´s dann wohl. Noch einmal wird für Deutschland darauf hingewiesen, dass bei uns 94% der Männer und 90% der Frauen regelmäßigAlkohol zu sich nehmen.

Sehen Sie: Die interessiert diese Studie gar nicht. Dieses niederschmetternde Fazit geht über 90% der Deutschen am A…. vorbei. Glauben Sie ernsthaft, die hören auf, nur weil jemand so etwas hinschreibt?

Das habe ich längst gelernt: Nur die persönliche Erfahrung zählt. Hier bin ich ganz bei Professor Max Planck. Man muss die Nachteile einmal persönlich erfahren haben (Herr Doktor, ich habe eine erektile Dysfunktion. Können Sie mir helfen?).

 

Rätsel Kohlenhydrate

08.11.2018

Jetzt wird ´s wirklich spannend. Jetzt können wir alle etwas lernen. Lernen, wie sehr das gängige Wort „low  carb“ uns an der Nase herumführen kann. Uns täuschen kann.

Seit dem Kardiologen-Kongress in München lesen Sie allüberall – nicht in Fachzeitschriften, sondern in journalistischen Medien – dass Sie das Weglassen von Kohlenhydraten, also low carb, durchaus mit einem früheren Tod bezahlen könnten. Steht da. Wörtlich „Low carb erhöht die Sterblichkeit“.

Wir wollen bitte nicht den üblichen Schlagzeilen von Journalisten (was ist deren Ausbildung?) aufsitzen, sondern verstehen. Was geht hier vor? Kann man ganz einfach erklären.

Erinnern Sie sich an die PURE-Studie (2017)? Wirklich? News vom 07.10.201714.10.201729.10.2017 und ach ja, 17.11.2017:

  • studiert wurde an 135.000 Menschen
  • aus 18 Ländern
  • mehr als 7 Jahre
  • beteiligt waren 200 Forscher

Das Ergebnis, in „The Lancet“ zusammengefasst:

  • Kohlenhydrate erhöhen die Sterblichkeit. Man lebt kürzer.
  • Tierisches Eiweiß senkt die Sterblichkeit. Man lebt länger.

So die erste Auswertung. Jetzt kommt Professor Mente und trägt auf dem gleichen Kardiologenkongress in München (2018) eine sehr viel genauere Auswertung dieser PURE-Studie vor. Professor Mente:

Förderlich für ein langes Leben sind
Gemüse, Früchte, Nüsse, Hülsenfrüchte und Fisch
Auch Milchprodukte und nicht-verarbeitetes rotes Fleisch

Hier steht also, dass Eiweiß, Fett und auch reichlich (viel mehr, als Sie glauben, so viel zu low carb) Kohlenhydrate von der richtigen Sorte Ihr Leben verlängern.

Ausdrücklich nicht förderlich für Ihr langes Leben sind (so Prof. Mente):

Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Zucker

Rätsel Kohlenhydrate gelöst. Aufregung umsonst. Man müsste halt genau hingucken. Am besten die Studien selbst lesen. Tut natürlich niemand.

Interessantes nebenbei von Dr. Mente. Die haben jetzt ein für ein langes Leben optimales Essen zusammengestellt. Nach einem Punktesystem. Und glauben, man sollte essen

  • 8,4 Portionen Früchte und Gemüse (!!!)
  • 2,5 Portionen Nüsse und Hülsenfrüchte
  • 1,4 Portionen rotes Fleisch (nicht verarbeitet, also keine Wurst)
  • 3 Portionen Milchprodukte
  • 2 x Fisch pro Woche

Wenn Sie das durchrechnen – jetzt wird ´s wichtig, kommt heraus

  • 54% Kohlenhydrate
  • 28,3 Fett
  • 17,9 Eiweiß

Wie bitte? 54% Kohlenhydrate? Ja, freilich: gute Kohlenhydrate. Hier kann man allenfalls über die Hülsenfrüchte streiten. Einverstanden. Nur – wenn Sie den prozentualen Anteil in Portionen überschlagen, kommen Sie auf 1,3 Portionen Hülsenfrüchte. Diese (für mich schlechten) Kohlenhydrate sind knapp 8,5%. Einverstanden. Lassen wir durchgehen.

Vielleicht ist Professor Mente ja Ausdauersportler und braucht ein bisschen Linsen und Bohnen.

FAZIT: Aufregung war umsonst. Low carb verkürzt nicht das Leben. Low Gemüse allerdings schon.

PS: Noch einmal: Ich spreche ausdrücklich von no carb. Sie wissen inzwischen, was gemeint ist: Absolutes no für künstliche, leere Kohlenhydrate. Erlaubt sind die natürlichen Kohlenhydrate, die von Normalmenschen als solche gar nicht erkannt werden (Mohrrüben, Sellerie).

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