Sie hat sich aus dem Burn-out geschafft

Macht Molekularmedizin preußisch?

24.11.2018

Gar nicht so abseitig, diese Frage. Wie Sie gleich verstehen werden. Preußisch wird hier als eine bestimmte Geisteshaltung verstanden. So wie ich sie von meiner Großmama, von meiner Mutter gewohnt war. Korrekt, geradlinig, verantwortungsvoll, pflichtbewusst. Aber lesen Sie doch selbst die mail von heute. Einzigartig in meiner Sammlung. So etwas ist mir noch nie vorgekommen:

„Vor Jahren war ich mit meiner Mutter (80 Jahre) bei Ihnen. Sie hält sich brav an Ihre Vorgaben.

Morgens und mittags nimmt sie 2 Eßl. Eiweiß. Mehr nicht. Dazu Zink, Selen, Omega 3, B12, Q10, Vitamin D. Das war’s.

Vitamineral verträgt sie leider nicht.

Ihre Blutwerte sind tiptop. Hämoglobin ist über 14,3 gestiegen.“

Habe nachgeguckt: Damals hatte die Dame Hämoglobin 12,5. Sie erinnern sich: Normal 12 bis 16. Außer Olympia-Siegerinnen: Die haben 16,4. So wie Evi Sachenbacher. Aber das ist eine andere Story.

„Sie hat sich aus dem Burn-out geschafft. Ist selbstsicherer und fordernder geworden. Und sehr unternehmungslustig. Letzte Woche hat sie den Herrn Pfarrer nach Hause zitiert, weil sie mit seiner Predigt nicht einverstanden war. Und ihm mal so richtig die Meinung gegeigt, so ihre Worte. Unglaublich.“

Der Burn-out übrigens war messbar. Siehe (Burnout ist messbar)
Weil messbar, gelingt auch immer der Ausstieg, die Heilung. Ich betone: Immer! Wer in Deutschland hat diese Selbstsicherheit? Freilich – dass Molekularmedizin dazu führt, den Herrn Pfarrer „bei Fuß“ zu kommandieren…. ist auch mir neu. Überzeugt.

„Ich habe dann nochmal die Blutwerte messen lassen. Der Eiweißwert ist von 6,3 auf 7,2 in den Himmel gestiegen.“

Diese eine Zahl entscheidet. Zwischen blablabla und preußisch. Zwischen laissez faire und Übernahme von Verantwortung. Zwischen sich abends hilflos zurücksinken lassen ins Polster und … dem Aufspringen und Losrennen. Mit Stirnlampe. In der Dunkelheit. Im Matsch und Regen. Alles persönlich erlebt.

„Das ist doch eine echt schöne Familiengeschichte. Und ich kann Ihnen nur dankedankedanke…. sagen.“

Noch einmal und ganz ernsthaft: Welcher Arzt in Deutschland, wer von uns 450.000 Kollegen, bekommt regelmäßig solche Briefe? Regelmäßig! Die doch nicht nur von Krankheit und Gesundheit, sondern von genau dem Punkt sprechen,  um den es wirklich geht. Um Ihr Leben! Eben nicht um Ihr Dahindämmern, um Ihr Resignieren, um Ihr Leiden, um Ihr Sterben…. sondern um DAS LEBEN!

Sie verstehen, dass ich mich persönlich schon längst – Stichwort beyond medicine – als mehr als einen Arzt fühle, nämlich als einen Lebenshelfer. Einen ganz und gar praktischen.

 

Burnout ist messbar

24.11.2018

Eine wundervolle Aussage. Messen heißt verstehen und schlussendlich heilen. In der Drohmedizin, in der Universitätsmedizin kaum üblich: Da wird über Burnout philosophiert. Ob da nicht „bloß“ eine Erschöpfung vorläge, ob das nicht vielleicht „bloß“ eine Depression sei, ob man in diesem oder jenem Fall tatsächlich von „echtem“ Burnout sprechen könne…

Die philosophische Hilflosigkeit spiegelt sich dann in der Therapie wieder. Therapie heißt in der Regel kürzer treten, auf Kur gehen, oder die klassische Methode: Psychopharmaka schlucken.

Dass messen verstehen heißt und oft auch Heilung, hat uns ja Frau Dr. Terry Wahls an sich selbst bewiesen. Glauben Sie, liebe Leser, dass sich diese Revolution in der Behandlung der Multiplen Sklerose wirklich an deutschen Universitäten herumgesprochen hat? Die Heilung mit Eiweiß und Vitaminen?

Burnout ist messbar. Wir tun’s einfach. Und finden immer wieder ein klassisches Muster in der Blutanalyse:

  1. Hormonelles Ungleichgewicht. Heißt chronisches erhöhtes Stresshormon Cortisol und chronisch erniedrigtes Testosteron, Ihren Antrieb. Die zwei Hormone gehören zusammen. Dabei ist das Wort chronisch wichtig: Kurzfristig erhöhtes Cortisol ist bei Hochleistungssportlern durchaus erwünscht und steigert die Leistung. Fragen Sie mal Jan Ullrich. Aber chronischer Stress erschöpft den Körper. Cortisol sinkt dann sogar auf Dauer wieder ab: Keine Reserven mehr. So dass in einem späten Stadium von Burnout sogar beide Hormone auffällig tief sind.
  2. Ein erschöpftes Immunsystem. Gehört immer dazu. Frau Prof. Perth vom NIH hat schon recht, wenn sie das Immunsystem bei fast allen Krankheiten in den Vordergrund stellt. Und wie misst man das? Am einfachsten auf einem kleinen Umweg. Unser häufigstes Virus (95% der Bevölkerung) ist das Eppstein Barr Virus. EBV. Mononukleose. Pfeiffersches Drüsenfieber. Und bei erschöpftem Immunsystem finden sich die Abwehr-Titer gegen das Virus chronisch erhöht. Also nicht kurzfristig, wie es normal ist, sondern eben anhaltend. Das Immunsystem wird damit nicht mehr fertig. Heißt bei Sportlern, dass eine Profi-Marathonläuferin auch nicht mal mehr 50m joggen kann. Das muss man sich mal vorstellen. Da bekommt man tiefes Mitgefühl mit Burnoutpatienten.
  3. Ein trauriges Aminogramm. Also massive Defizite bei den neun essentiellen Aminosäuren. Der Grundstruktur unseres Körpers und der meisten Hormone. Also ein Mangel an Tryptophan und damit depressive Stimmung (Prof. Holsboer, München), ein Mangel an Phenylalanin und damit fehlender Antrieb, keine Motivation, keine Lebenslust (Noradrenalin). Tiefe Spiegel der drei BCAA und damit zu wenig Kraftwerke in den Zellen (News auf strunz.com vom 15.12.2010). Und natürlich ein inkompetentes Immunsystem. Das besteht schließlich aus reinem Eiweiß, sprich Aminosäuren.

Das rare Wissen um den analytischen Zugang zum Burnout blüht glücklicherweise langsam, langsam auf. So lesen wir in einem Artikel der Salzburger Nachrichten (April 2012) doch tatsächlich:

„Beim Ermitteln des Burnout-Syndromes mittels Bluttest kann man in den allermeisten Fällen eine sogenannte Mitochondriopathie feststellen, das bedeutet eine beschränkte Energiegewinnung. Die Körperenergie funktioniert daher nicht mehr reibungslos…“. Oder den wunderschönen Satz dort „das Gefühl, nicht mehr weitermachen zu können, ist ein typisches Burnout-Symptom und die Folge von akutem Nährstoffmangel“.

Nach meiner Erfahrung wohl eher chronischem Nährstoffmangel. Aber seis drum: Langsam, langsam, langsam spricht sich’s rum.

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