Haarsträubend

Haarsträubend

Artikel #995 vom 14.01.2019

Wieder so ein Meilenstein der Medizin, wie er selten vorkommt. In meinem ärztlichen Denken eingeschlagen hat wie ein Meteor. Zum einen, weil er bestätigt, dass die Medizin weiß. Wirklich weiß. Nur eben Ihr Facharzt (manchmal) nicht.

Und zum anderen, weil man an diesem Beispiel besonders eindrücklich beschreiben kann, wie medizinisches Wissen von der Bevölkerung fern gehalten wird. Wie man Menschen – selbstverständlich unabsichtlich – schwer krank werden lässt, obwohl dies nachweislich überflüssig ist. Was jetzt folgt, ist für mich der Prüfstein, an welchem ich jeden Arzt messen würde.

Weiß er oder weiß er nicht. Also los:
Da gibt es ein Problem, nennen wir es Diabetes Typ I. Bei Kleinkindern, deren Bauchspeicheldrüse versagt, die zeitlebens Insulin spritzen müssen. Also erforscht man dieses Problem. Findet – gar nicht selbstverständlich – die Lösung dieses Problems und… wendet die Lösung nicht an.

Lässt weiterhin ungerührt Kleinkinder schwer erkranken. Können Sie solch einen Vorgang nachvollziehen? Ich auch nicht. Ist aber in Deutschland normal.

Die Fakten noch einmal ganz kurz: die meisten Diabetes Typ I Kinder findet man in Finnland. Deshalb hat man 1966 alle schwangeren Frauen (12 055 in 1966) in einer Studie aufgenommen. Hat notiert ob und wie viel Vitamin D genommen wurde im ersten Jahr des Lebens. Und hat schlussendlich 30 Jahre später gezählt, wie viel Kinder Diabetes Typ I bekommen hatten.

Ergebnis: Wurden im ersten Lebensjahr 2000 i.E. Vit D täglich genommen, fanden sich 88 Prozent weniger Diabetes Typ I. Und immer noch 78 Prozent weniger dann, wenn verglichen wurde mit Kindern, die eine kleinere Dosis Vit D (weniger als 2000 IE) genommen hatten.

Interessant: Bei Kindern mit Rachitis (also eindeutigem Vitamin D Mangel) fand sich gleich 300 Prozent mehr Diabetes Typ I. Berührt mich persönlich: Ich hatte Rachitis.

Das war’s auch schon. Seit dieser Studie (Lancet 2001, Vol 358, Iss 9292 S. 1500), seit 2001 also wissen wir definitiv, wie wir Diabetes Typ I zu 90 Prozent verhindern können. Und was passiert in Deutschland? Die Diabetesgesellschaften beklagen seither Jahr für Jahr das betrübliche Anwachsen dieser grauslichen Kinderkrankheit.

Verstehen Sie das alles noch? Wozu forschen wir eigentlich? Wozu haben wir Universitäten?

Natürlich haben Sie alle den springenden Punkt erkannt: Benötigt werden 2000 i.E. Vit D. Und was genehmigt uns die DGE? 400 oder – ganz neu – 800 i.E. Uns Erwachsenen! Und Säuglingen? Fragen Sie Ihren Kinderarzt!

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Zauberei?

14.01.2019

Manchmal zögere auch ich. Ist das, was ich soeben lese, wirklich möglich? Klingt jedenfalls wie Zauberei. Und dann werde ich neugierig und versuche zu verstehen.

Übrigens haben viele von Ihnen diese „Zauberei“ am eigenen Leib erlebt. Können hier mitreden. Und werden wissend mit dem Kopf nicken und lächeln. Aber der Reihe nach:

 

Der Herr, über 60 Jahre, leidet. Ganz offensichtlich. Es ging ihm hundsmiserabel. Er hätte keine Kraft, sei ständig schweißgebadet, hätte Druck am Herzen.

 

Der Kardiologe: Ihr Herz ist gesund. Sie kennen das.

 

Hätte Symptome wie Grippe. Nackenschmerzen. Könne die Arme nicht heben. Sei völlig erschöpft, ständig schwindelig, der Blick sei unklar. Das Gedächtnis habe akut nachgelassen, er hätte keinen Appetit, sei kälteempfindlich,  würde ständig frieren. Nach nur 2 Km Spazierengehen schweißnass,  am Ende. Keinen Antrieb mehr. Fühle sich überfordert.

 

Tja. Fehlt hier noch irgendetwas? Fällt Ihnen noch was ein? Die Liste scheint ziemlich komplett. Der Clou selbstverständlich:

 

„Ich war bei tausend Ärzten. Ich sei gesund.“

 

Verblüfft mich immer wieder. Ob jemand gesund ist oder nicht, definiert doch der Patient. Der fühlt es schließlich. Als Arzt stecke ich doch nicht in dem anderen Menschen drin. Kann also nicht einfach behaupten: Sie sind gesund.

Allenfalls: Meine Apparate finden nichts. Ist ja auch eine wesentliche Aussage. Aber gesund?

Nun hat der Herr beruflich mit Büchern zu tun. Kann also lesen. Hat dies getan. Kam aus dem Ausland hierher zur Blutanalyse und ……

 

Zauberei!

 

Die Mail von heute klingt jetzt folgendermaßen:

 

„Ich fühle mich wie vor meiner „Attacke“ -oder besser- und lauf in unserer neuen Wandergruppe allen davon und fühle mich trotzdem leicht dabei!!!

Ein Faktor ist sicher auch, dass ich 7kg abgenommen habe und vielleicht auch – um abzunehmen- auf mein geliebtes Baguette verzichte. Ich weiß, ich weiß, Sie predigen das
seit Ewigkeiten!“

 

Also noch einmal kurz und knapp: Er hat seine Blutwerte optimiert und hat auf das Baguette verzichtet. Wenn Sie diese Umschreibung richtig deuten. Das wars auch schon.

Wenn man jetzt nachliest, welche Beschwerden er nun  NICHT  MEHR   HAT …. dann verstehen Sie die Überschrift. Klingt wie Zauberei.

Ach was: Medizin kann. Bloß eben Ihr Krankenhaus sehr häufig nicht.

Ein Gedanke zu “Haarsträubend

  1. Könnte man diese nervigen Link Nachfragen
    von dem unausstehlichen Zuckerberg Konzern auch irgendwie umgehen ? Ich brauche zum Lesen kein „Betreutes Denken Geseibere“ amerikanischer Machart…

    Gefällt mir

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