„… äußerlich

 

 

Es funktioniert!

Artikel .1012 vom 06.05.2019

Ist wohl der Schlüsselsatz dann, wenn man Anleitungen sucht, wie man das Leben zu leben hätte.

Eine neue Trainingsmethode im Sport? Ketose? Diskutieren können Sie lange. Jeder weiß dazu etwas Gescheites. Entscheidend ist: Funktioniert es oder nicht? Kann man im Sport sehr klar beantworten.

In der Politik? Die sich ja häufig in der Verteilung von Geld erschöpft. Kann man lange drüber streiten. Entscheidend: Funktioniert es oder nicht? Sind die Menschen zufrieden?

In der Medizin? Was gibt es dafür Ratschläge? Auch aus der Naturheilkunde, aus der chinesischen Medizin, aus der Esoterik. Mir zunächst völlig egal. Ich frage stets: Funktioniert es? Ganz im Sinne von „Wer heilt, hat Recht“.

Da schreibt mir doch tatsächlich eine von Ihnen, die „schon jeden guten Glauben verloren hatte, dass es noch Ärzte gibt, die Hirn haben“. Schreibt mir also

„Ich wollte Ihnen nur sagen, dass es funktioniert, so wie Sie es in Ihren Büchern beschreiben.“

Die Story dahinter freilich ist hochdramatisch:

Der Arzt: „Das wird nix mehr.“
Die Tochter: „Meine Mutter, knapp 90 Jahre, ist so fit wie noch nie. Lebt also immer noch. Die Ärzte sprechen von einem Wunder, ich spreche von gesundem Menschenverstand.“

Jetzt wird ´s wirklich spannend. Also lasse ich Sie einfach mal mitlesen in der mail des Tages:

„Vor sechs Jahren ist mein Vater gestorben, er hatte Parkinson. Daran ist er allerdings nicht gestorben sondern an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruch. Sein Leidensweg dauerte fünf Wochen, angeschnallt an ein Bett. Ruhig gestellt, eine Unterhaltung war nicht mehr möglich. Mir taten sich alle Abgründe eines Krankenhauses auf.

Ein halbes Jahr später stürzte meine Mutter die Treppe runter. Mehrere Wirbelbrüche, Armbruch, große Platzwunde am Kopf . Ihr Herz wollte nicht mehr, ihre Herzklappen schließen alle nicht mehr, da herrscht Tag der offenen Tür. Sie wurde reanimiert, bekam eine künstliche Herzklappe. Nach fünf Monaten konnte sie entlassen werden, aber die Ärzte sagten, das wird nix mehr.

Ich habe dann mit meinem Mann, der seit über 30 Jahren ein Fitnessstudio betreibt und sich bestens auskennt als ehemaliger Bodybuilder, über Eiweiß, Vitamine, Mineralien…,
einen „ Ernährungsplan“ erstellt: Eiweißpulver, Magnesium hoch dosiert, Omega 3, Vit. B, Vit. D, Silymarin und Enzyme .
Wir haben gerade ihren Geburtstag gefeiert (knapp 90) und sie ist so fit wie noch nie. Lebt also immer noch. Die Ärzte sprechen von einem Wunder, ich spreche von gesundem Menschenverstand.“

Selbstverständlich hat die Tochter alle Medikamente abgesetzt. Wissen Sie weshalb? „Die Leberwerte waren mies, Juckreiz am ganzen Körper, Übelkeit, war nur am Brechen, massiv abgemagert“. Nicht ohne Grund nennt die Tochter (ich bitte um Entschuldigung) diese schulmedizinischen Hilfen „diese vielen scheiß-Medikamente“. Die Tochter darf das. Die hat ihren Standpunkt nämlich bewiesen. Wie gesagt: Tabletten ab, LEBENS-STOFFE ergänzt und … Mama ist „so fit wie noch nie“. Und das mit knapp 90.

Eigentlich möchte ich jetzt laut schreien. Rüberfahren in unser Krankenhaus und… laut schreien. Nur kenne ich die Abläufe. Ich hab´s nicht so mit geschlossenen Abteilungen…

Ach ja. Seither schickt Töchterlein mir Patienten. Beispielsweise eine Frau, über welche sie sich schon lange Sorgen gemacht hatte…

„Sie hat eine Augenkrankheit und war so vollgepumpt mit Cortison, hatte keinen Lebensmut mehr. Sie ist heute wie ausgewechselt, die Entzündungen gehen zurück, sie sagt, sie macht alles so, wie Sie es ihr gesagt haben.“

Wie viel Bücher eigentlich muss man noch schreiben? Wie viel Vorträge noch halten? Wie viel Einzelfälle wie die oben geschilderten aufzählen, bevor Sie anfangen… Ihr Leben selbst in die Hand nehmen? Ich weiß, ich weiß, eine völlig abstruse Idee.

Das wäre ja so wie religiös zu werden ohne den Vatikan. Ohne die Priester. Ohne die Institution Kirche. Völlig undenkbar, ich weiß.

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Ich LEBE. Hier. Jetzt.

07.05.2019

Bemerkenswerte Sätze in der mail des Tages. Einer jungen Frau, die unterschreibt mit
„ Über 40 Jahre, 3 Kinder, Mann, Hund, Haus, berufstätig und Spaß dabei“
Es ist die Tonart. Es ist das Lächeln, das man hinter diesen Worten spürt. Es ist die Ausdrucksform, die ich mir wünsche im Umgang miteinander. Von uns allen. Und von der ich glaube, dass sie tatsächlich vorherrscht. Unter uns Normalmenschen.
Wird uns von den Medien, also den Journalisten – Sie kennen meine Meinung – ja ganz anders beschrieben. Der tägliche Umgangston. Da graust mich jedes Mal. Eine Zeitung aufschlagen kann ich schon lange nicht mehr ohne Magenschmerzen.

Zurück zur jungen Dame mit den „3 Kindern, Mann, Hund“. Man beachte die Reihenfolge. Immerhin kommt hier der Mann noch vor dem Hund. Das ändert sich häufig mit zunehmendem Alter, wie Sie wissen.

Die Dame bedankt sich. Aus gutem Grund. Bedankt sich bei mir
„für Ihr Lächeln
Ihren Enthusiasmus und
Ihre – fast unheimliche – Fähigkeit zu begeistern“
und fährt fort:
„Hat auch bei mir geklappt. Besonders, wenn es um das Thema Epigenetik geht. Berührt mich nämlich persönlich. Ich habe vaskuläres Ehlers-Danlos-Syndrom. Das heißt, es wurde diagnostiziert. Leiden tue ich nämlich nicht darunter.

Ich gehe entgegen dem ausdrücklichem Rat der Ärzte – Ärzte die erst höflich fragen müssen, wie man Ehlers-Danlos schreibt – 4 x in der Woche Laufen (ich laufe seitdem ich 12 bin, da werde ich nicht mit 40 aufhören) mache 2 schnaufende Kraft-Workouts (sie wissen ja, das Testosteron…) und das Beste: seitdem ich mich so richtig fordere, meinem Körper mitteile, was ich von ihm will und ihn mit NEMs, Yoga und ganz viel Lachen dabei unterstütze:

  • Hat sich mein Körper verändert. Ist meine Haut straffer, glänzender.
  • Fühle ich mich insgesamt wacher, selbstbewußter und schlagfertiger
  • LEBE ich. Hier. Jetzt.

Ach ja, Ehlers-Danlos: Eine Bindegewebserkrankung. Man kann die Gelenke extrem überstrecken, die Haut in Falten abheben, bekommt leicht Blutergüsse, Herz- und Gefäßmissbildungen. Das wollte ich Ihnen eigentlich nicht erklären, sondern: Laut Pschyrembel gehört dazu ÜBERGEWICHT.

Gehört dazu. Genetisch. Kann man nichts machen. Ich wette, die junge Dame ist nicht übergewichtig. Die weiß, was Epigenetik bedeutet: Sie läuft. Sie läuft schon 30 Jahre. Lernen wir Ärzte eigentlich nie?
Bewusst „wir Ärzte“. Sie sollten sich ja auf uns verlassen können. Auf unser Wissen. Können Sie eben nicht. Was wissen Ärzte von Epigenetik? Die Tatsache, dass wir tagtäglich Tausende von Pharmamedikamenten verschreiben, zeigt, dass wir… nichts wissen. Weil wir es nicht gelernt haben. Weil die Schulmedizin meilenweit hinter dem tatsächlichen Wissen der MEDIZIN hinterherhinkt….
Ach ja, die junge Damen fordert mich schlussendlich auf „bitte weiter machen! Sie retten Leben“. Sehen Sie: das weiß ich. Denn ich weiß – genau wie Frau Prof. Kiechle, München – dass sich ihre Krebsrate (ganz allgemein) halbiert dann, wenn Sie laufen. Ich brauch Sie also nur zum Laufen zu bringen und habe bereits „Leben gerettet“. Ich weiß genauso wie Sie, dass 30% aller Krankheiten (persönlich glaube ich: deutlich mehr) von der Ernährung abhängen. Ich brauch Sie also nur zu genetisch korrekter Kost zu drängen? Überreden? Nein….. begeistern! Und rette bereits Leben.

Mit meinem Eid, mit meiner Verpflichtung als Arzt fühle ich mich heute, als Rentner, zunehmend im Reinen. Kann das ihr Kardiologe sagen, der Ihnen – zur Primärprävention! – Statine verschreibt?
PS: Zum Umgangston: Die Schriftstellerin Anke Stelling bekam soeben den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse. Für, laut Jury, einen „scharfkantigen, harschen Roman, der weh tun will und weh tun muss“.

 

 

 

Dicke Dünne

06.05.2019

Ein vertrautes Phänomen für jeden Arzt: Der dicke Dünne. Meist weiblich. Ich hatte Ihnen einmal von einem Model erzählt, sehr ansprechend, sehr schlank, BMI nur 17 (also untergewichtig), die dennoch 32% Körperfett aufwies. Wir haben mehrmals nachgemessen.

Nennt man dicke Dünne, oder auch dünne Dicke. Wie Sie möchten. Und diese schlanken Model-Figuren haben doch tatsächlich das gleiche Krankheitsrisiko wie Übergewichtige.

Gewusst?

Besonders hübsch beschrieben kürzlich von Frau Dr. Fleck. Kennen Sie: Eine der Ernährungs-Docs. Die hat dieses merkwürdige Phänomen und seine Gefahren – Models, Acht geben! – überaus treffend beschrieben. Ich darf einfach zitieren:
„… äußerlich sehen sie ja schlank aus. Sie haben aber zu viel Fett- und zu wenig Muskelmasse. Man erkennt sie an schlaffen Ärmchen, kleinen Speckrollen am Bauch, schmalen Gelenken. Innerlich sind die Bauchorgane, das Herz und die Arterien verfettet. Dieses sogenannte viszerale Fett produziert Botenstoffe, die im ganzen Körper chronische Entzündungen befeuern.
Studien mutmaßen, dass dünne Dicke potentiell mehr Risikofaktoren als Dicke aufweisen, da sie kaum aktive Muskelmasse besitzen. Diese produziert nämlich Myokine – hormonähnliche Botenstoffe, die antientzündlich wirken. Deshalb weisen dünne Dicke mit einer vorbestehenden Herzkrankheit unter allen Übergewichtsrisikogruppen die höchste Sterblichkeit auf. Und sie bleiben medizinisch oft unter dem Radar.“
So kann man sich täuschen. Wenn man sich seine Bikinifigur erhungert hat. Auf Kosten der Muskelmasse. Wenn man glaubt, durch Essen alleine seinen Körper „ideal“ formen zu können. Nein, nein: Bewegung gehört immer dazu. Und freilich Krafttraining. Muskelaufbau.

Sie wundern sich regelmäßig über meinen ungläubigen Blick dann, wenn Sie über Ihr Untergewicht klagen. Und das tun Sie fast täglich. Bei einem BMI von 16, manchmal 15, haben Sie mein volles Verständnis. Und trotzdem…. Sie wissen wirklich keine Lösung dieses banalen Problemes? Wirklich nicht?
Also projeziere ich vor Ihrem inneren Bildschirm das Bild einer weiblichen Bodybuilderin. Und frage, ob die wohl Untergewicht hat. Ob die wohl unbedingt zunehmen möchte. Selbstverständlich nicht, antworten Sie.
Das war’s auch schon. Instinktiv machen Sie dann ein brrrr-Gesicht. Abscheu. So möchten Sie nicht aussehen. Einverstanden. Aber Sie könnten sich doch ein 10%-Scheibchen von der Bodybuilderin abschneiden, oder? Sie könnten doch 3,5 oder 7 kg Muskelmasse zulegen. Dann wäre Ihnen doch geholfen, oder?

Langsam beginnt Ihr Gesicht zu leuchten. Ihnen dämmerts. Sie verstehen langsam, wo die Lösung liegt. Denn fettig wollten Sie ja nicht werden. Bin ich ganz auf Ihrer Seite.

Also noch einmal: Dünn zu sein, das nur durch Hungerkuren geschafft zu haben, ist oft genauso schlimm, manchmal sogar schlimmer als massives Übergewicht. Dann, wenn sie trotz geringen Gewichtes zu viel Fett und zu wenig Muskelmasse haben.

Eine Heidi Klum ist auch in diesem Punkt ein bisschen gescheiter als ihre Jüngerinnen, scheint mir.

 

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