mit einem solch dreijährigen lallenden Kind

Sprachstörung bei Kindern

17.06.2019

Muss nicht sein. Kommt aber vor. Es gibt dreijährige Kinder mit ausgeprägter Entwicklungsverzögerung. Mit verminderter Sprachkompetenz. Kinder, die sich mit drei Jahren nur mit einem Wort oder mit unverständlichem Gebabbel ausdrücken können.

Muss nicht sein.

Soeben bewiesen in einer norwegischen Studie an 38.954 Kindern. Die Studie lief von 1999 bis 2008. Und bewiesen wurde, dass Folsäure, rechtzeitig genommen, diese verzögerte mentale Entwicklung des eigenen Kindes verhindern kann. Wenn die Folsäure rechtzeitig eingenommen wurde: Im Zeitraum 4 Wochen vor bis 8 Wochen nach der Empfängnis.
Sie verstehen die Schwierigkeit. Schwangere besuchen mich sehr häufig mit der Frage, ob sie Vitamine einnehmen sollten. Dann, wenn sie schon schwanger sind. Logik sagt uns, dass man wohl besser vor der Empfängnis sich um diesen Punkt gekümmert hätte.
Die norwegische Studie (Jama 2011;306(14):1566) ergab jedenfalls, dass Folsäure, rechtzeitig genommen, diese schweren Ausdrucksstörungen, die fehlende Sprachkompetenz um 45% verringert hat. Immerhin.

Konstruktive Kritik: Wie bei allen diesen Studien kommt es selbstverständlich auf die Dosis an. So lange in Deutschland laut Laborausdruck Folsäure von 3 ng/ml im Serum als normal gilt, in meiner Praxis aus gutem, gemessenen Grund 20 ng/dl gefordert werden, verstehen Sie meinen Einwand. 45% Verbesserung ist nur eine grobe Hausnummer. Bei der richtigen Dosis können es vielleicht 95% sein, oder?

Ach ja: Soeben in der BAMS der Arzt Dr. Frank Schwebke wörtlich: „Nährstoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente…in mitteleuropäischer Mischkost sind diese jedoch ausreichend enthalten“. Mir verschlägt es jedes Mal aufs Neue die Sprache.

Da müsste man einmal eine Mutter mit einem solch dreijährigen lallenden Kind interviewen. Sogar die DGE formuliert doch ausdrücklich: „Deutschland, ein Folsäure-Mangel-Gebiet“.

Siehe auch News vom 01.05.2006

 

 

Und dann?

Artikel .1019 vom 17.06.2019

Und danach? Wenn Sie’s überstanden haben, den Krebs? Wenn man sich in der Klinik rührend um Sie gekümmert hat, wenn Chemotherapie und Bestrahlung Erfolg gehabt haben?

Denke ich immer an den führenden deutschen Krebsforscher Wiestler (Artikel unten angefügt), der mich kribbelig gemacht hat mit seinem Satz, dass „deutsche Krebspatienten einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard“ behandelt werden.

Was meint der damit? Nun, der meint noch sehr viel mehr, als Sie annehmen. Der meint nämlich auch:

In Deutschland leben rund 1,5 Millionen Menschen, deren Krebsdiagnose bereits 5 Jahre zurückliegt; bei mehr als 2 Millionen sind es 10 Jahre oder mehr. Und jetzt Zitat:

„Auch, wenn die Behandlung längst abgeschlossen ist, bekommt etwa ein Drittel der Patienten Spätfolgen von Tumor, Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie zu spüren. Die Liste der Probleme ist lang; sie reicht von chronischer Müdigkeit über Nervenschädigungen, ein geschwächtes Immunsystem, Herzprobleme, Hormonstörungen, Unfruchtbarkeit, Lymphödemen, Depressionen und kognitiven Störungen bis hin zu einem weiteren Krebs. Das ist der Preis für das Überleben„, sagt Frau Prof. Fossa von der Uni Oslo, Leiterin des norwegischen Ressourcenzentrums für Langzeitüberleben nach Krebs und spricht weiter: „Die Patienten müssen wissen, dass eine Krebsbehandlung Folgen hat, eben auch Jahre später“.

Genau darum geht’s Prof. Wiestler eben auch. Nicht nur um die unmittelbare Behandlung. Dazu Prof. P. Albers, Direktor der Urologie am Uniklinikum Düsseldorf: „Solch systematische Aufklärung fehlt in Deutschland. Das Thema Spätfolgen ist bei uns noch nicht angekommen, nicht einmal bei allen Onkologen“.

Ein Beispiel ist die 42-jährige S., deren akute Leukämie geheilt wurde. Einverstanden. Die aber immer müder und kraftloser wurde. Die Ärzte stellten fest

„dass ihr Körper durch die Krebstherapie weder Östrogene noch genug Wachstumshormone bildet und ihr Immunsystem gegen einige Erreger keine Antikörper mehr produziert. Auch wenn die Hormone nun zugeführt werden, die absolute Müdigkeit bleibt“.

Kann man nix machen. Wenn es nun einmal keine Alternative gibt. Tja. Bei Kindern ist das anders: Hier gibt es zwei Netzwerke, die die Spätfolgen erforschen. Die Nachsorgepläne für jede einzelne Krebsart zur Verfügung stellen. Die sich tatsächlich rührend und aufopfernd um jeden einzelnen kleinen Krebspatienten kümmern.

Manchmal haben Kinder es besser.

PS: Absolute Müdigkeit ist ein Hauptthema der molekularen Medizin. Die hilft eben nicht mit Raten, mit Resignation (Schulmedizin), sondern durch streng naturwissenschaftliche Messung und Wissen. Unsere tägliche Praxis.

Und die aufgelisteten Folgen der Chemotherapie (lesen Sie´s nochmal bewusst durch) können selbstverständlich zum großen Teil molekularmedizinisch verhindert werden oder beseitigt werden. MEDIZIN kann!

Es ist Ihr Leben

Zum dritten Mal darf ich hier mit größtem Respekt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg nennen. Und seinen Präsidenten Prof. O. Wiestler.

Der soeben neben seinem Zentrum das „Nationale Centrum für Tumorerkrankungen“ aufbaut. Und der jedem von Ihnen, der aufmerksam gelesen hat, ein völlig neues Verständnis der Krebs-Erkrankung ermöglicht hat. Der Professor scheint unkündbar zu sein. Denn im Gegensatz zu Politikern (die das nicht sind) erlaubt er sich ganz ungewohnte Wahrheiten (Focus 34/2009, Seite 67):

Focus: Sie beklagen die Defizite bei der Krebstherapie in Deutschland. Dies ist ein schwerer Vorwurf gegen die Ärzte, die an Universitätskliniken und Krankenhäusern arbeiten. Worin genau besteht Ihre Kritik?

Wiestler: Im internationalen Vergleich werden deutsche Krebspatienten einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard behandelt. Das muss sich ändern.

Sie sollten das wissen. Sie sollten diesen Satz in sich tragen. Jeder Dritte von Ihnen (noch einmal: Jeder Dritte von Ihnen) wird mit dieser Erkrankung in Deutschland konfrontiert. Und dann sollten Sie sehr wach, sehr aufmerksam, sehr selbstständig suchen und fragen.

Denn wenn wir einem der obersten deutschen Krebs-Forscher glauben, werden Sie „einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard behandelt“. Dass das andererseits möglich ist in Deutschland, leuchtet Ihnen ein.
Aber wie gesagt: Da müssen Sie selbst etwas tun.

Ich persönlich hätte da übrigens einen ganz anderen, schüchternen Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie den Krebs gar nicht bekämen? Wie das funktioniert, wissen wir ganz präzise. Nur lässt sich damit keinerlei, aber auch gar kein Geld verdienen.

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