Diabetes Typ I seit 17 Jahren

Ironie

18.06.2019

Würden Sie, liebe Leser, das auch so sehen? Oder hätten Sie für diese Einstellung von uns Ärzten einen ganz anderen Begriff parat? Einen sehr viel herberen? Lesen Sie doch einfach einmal den „Brief von heute“:

„Nun habe ich Diabetes Typ I seit 17 Jahren mit einer minimalen Menge von Restinsulin. Ich treibe viel Sport, und dies wurde von den Ärzten bisher immer als positiv betrachtet. Seit bei mir der Diabetes festgestellt wurde, wurde mir immer wieder kohlenhydratreiche Kost empfohlen.

In der letzten Zeit habe ich mich sehr mit Ernährung beschäftigt, und habe nun seit 3 Wochen meine Ernährung auf „low carb“ umgestellt, und achte darauf, mehr Eiweiß zu essen. Ich habe viel bessere und stabilere Blutzuckerwerte, fühle mich viel besser und kann nicht nachvollziehen, warum mir nie aus ärztlicher Sicht schon viel eher so eine Ernährung empfohlen wurde. Warum soll gerade ich viel Kohlenhydrate essen, wenn ich dazu immer Insulin spritzen muss? Irgendwie hat diese Verordnung der Ärzte doch eine gewisse Ironie, oder?

Auch beim Laufen, was ich sehr gerne tue, fühle ich mich seit der Ernährungsumstellung fitter und leistungsfähiger. Auch habe ich festgestellt, dass ich durch den Sport meinen Blutzucker senken kann.Wenn ich beispielsweise den ganzen Tag Rad fahre oder laufe, brauche ich an diesen Tagen gar kein Insulin. Also wäre doch die beste Medizin für mich und andere: Den ganzen Tag Sport treiben und low carb-Ernährung?“

Ja, was denn sonst? Genau das tut doch jeder Eskimo, der ganztags mit dem Kajak verzweifelt der Robbe hinterherjagt… Bei 7 hungrigen Kindern daheim im Iglu, oder? Genau das hat doch jeder unserer Vorfahren in Zentralafrika getan, wenn er ganztags Antilopen gejagt hat, oder?

Will damit wieder einmal sagen: Krank? Krankheit? Gibt’s das überhaupt? Oder gibt’s einfach nur ein falsches Benehmen. Seit die Bücher über Epigenetik nur so aus dem Boden sprießen, wissen wir, dass letzteres stimmt.

Zur Anfangsfrage: Die Patientin ist ja ausgesprochen verträglich und höflich. Die vermutet bei uns Ärzten nur „eine gewisse Ironie“. Man könnte das ja auch schlichtweg Dummheit nennen. Oder noch schlimmer. Diese falschen Ratschläge haben jedenfalls mit unserem Eid nichts zu tun. Ich nehme mich übrigens hier gar nicht aus. An der Universität habe ich genau so daherge…

Heilpraktiker heilen

18.06.2019

Wie schon der Name sagt. Manchmal klappt`s nicht ganz. Dann suchen die Hilfe – genau so wie ich das tue – bei einem Kollegen: „Versuch Du doch mal!“. Und wenn das mehrmals hintereinander überraschend gut klappt, bekomme ich vom Heilpraktiker einen Brief mit der Überschrift: „Ich bin beeindruckt!“.
„Soeben war Herr R in meiner Praxis und wollte sich mit mir über die ermittelten Blutwerte unterhalten. Ich bin beeindruckt, wie viel Zuversicht der Mann bereits wieder hat. Es hat mich viel Überredungskunst gekostet, dass er zu Ihnen fährt…und jetzt hat er wieder Hoffnung. Danke!!!“
Schwierig. Der Patient leidet an Parkinson. Ich meine: Er leidet wirklich. Massiv. Hat alle Tabletten durch. Nichts hilft. Zunehmende Verzweiflung, wie man gut versteht. Wie man da hilft? Mit Fakten. Parkinson soll ja Dopaminmangel sein. Also misst man im Blut die Vorstufe, nämlich Phenylalanin. Eine essentielle Aminosäure. Und die war deutlich zu tief. Sehen Sie: Das leuchtet den Patienten unmittelbar ein. Da bekommt er wieder Hoffnung. Ganz besonders dann, wenn er (ängstlich) nachfragt und von mir meinen persönlichen Phenylalaninwert erfährt: vier Mal so hoch wie seiner. Ist mir wichtig: Dopamin ist ein Antriebshormon. Brauche ich täglich in der Praxis.
„Im übrigen hat Frau L keine „restless legs“ mehr oder nichts, was an Symptomen daraufhin deutet, und es geht ihr blendend. Die Verbesserung war innerhalb 4 Wochen sichtbar.“
Restless legs. Da beißt sich der Universitäts-Mediziner (das war ich) vergeblich die Zähne aus. Heute nicht mehr. Lesen Sie mal News vom 24.08.2013. Immer das gleiche Prinzip: Blutanalyse. Werte in Ordnung bringen. Gesund sein. Ist das so schwer zu verstehen?
„Der kleine W (ist schon ein paar Jahre her) lebt super mit seiner Minimaldosis Insulin und wenigen Kohlenhydraten und hat sich zu einem prächtigen, sportlichen Mann entwickelt“.
Kleiner Junge. Diabetes Typ I. Da weine ich innerlich. Muss sich täglich Insulin spritzen. Mehrfach. Und das ein ganzes Leben. Und weiß genau, wie es weitergeht: Wird übergewichtig (wegen des Insulins), es folgen Gefäßschäden im Augenhintergrund, Niere usw. Und jetzt: Möglichst keine Kohlenhydrate. Eine Therapie-Revolution in Deutschland. Das glauben Sie mir immer nicht. Ich – und einige wenige Ärzte, die Zahl ist rasch ansteigend – widerspreche hier jedem Lehrbuch, widerspreche der offiziellen Lehrmeinung. Dazu selbstverständlich Sport. Und das hat der Bub kapiert. Lesen Sie mal beigefügten Anhang (klick hier)
„Noch eine Anekdote am Schluss: Als Sie zum ersten mal vor über 3 Jahren einen Bericht über das Vitamin D geschrieben haben, habe ich es ausprobiert, an meiner Enkelin, damals 3 Jahre alt, mit ihrem fast genau so langen Dauerschnupfen. Der war innerhalb einer Woche weg, und sie hatte seither nur zweimal einen Erkältungsschnupfen. Egal, was im Kindergarten und Schule grassiert, das Kind bekommt nichts.“
Vitamin D. Das wichtigste aller Vitamine. Wird uns ganz, ganz langsam klar. Auch ich habe hier ewig gebraucht. Auch ich lerne ständig dazu. Vitamin D gebe ich in meinem Leben nicht mehr her. In der richtigen Dosis!

Und dann entschuldigt sich der Heilpraktiker beinahe: „Ich weiß, Ärzte halten nichts von Heilpraktikern, macht nichts. Trotzdem…“ Ach Junge! Wir haben alle so unsere Urteile. Sprich Vorurteile. Wenn Du wüsstest!

Jeden Tag empfehle ich Ihnen Ihren Heilpraktiker am Ort. Falls Sie Spritzen brauchen, oder Infusionen. Bei dem werden Sie die problemlos bekommen. Bei Ihrem Hausarzt…versuchen Sie`s mal. Oder spezielle Blutkontrollen. Will sagen: Ich habe größten Respekt vor Heilpraktikern.

Das gipfelt darin, dass ich mein Töchterlein nach dem Biologiestudium gedrängelt habe, Heilpraktikerin zu werden. Sie hat auf mich gehört. Inzwischen auch Sohnemann. Das sei, hatte ich erklärt, „was gscheits.“

Und dann?

Artikel .1019 vom 17.06.2019

Und danach? Wenn Sie’s überstanden haben, den Krebs? Wenn man sich in der Klinik rührend um Sie gekümmert hat, wenn Chemotherapie und Bestrahlung Erfolg gehabt haben?

Denke ich immer an den führenden deutschen Krebsforscher Wiestler (Artikel unten angefügt), der mich kribbelig gemacht hat mit seinem Satz, dass „deutsche Krebspatienten einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard“ behandelt werden.

Was meint der damit? Nun, der meint noch sehr viel mehr, als Sie annehmen. Der meint nämlich auch:

In Deutschland leben rund 1,5 Millionen Menschen, deren Krebsdiagnose bereits 5 Jahre zurückliegt; bei mehr als 2 Millionen sind es 10 Jahre oder mehr. Und jetzt Zitat:

„Auch, wenn die Behandlung längst abgeschlossen ist, bekommt etwa ein Drittel der Patienten Spätfolgen von Tumor, Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie zu spüren. Die Liste der Probleme ist lang; sie reicht von chronischer Müdigkeit über Nervenschädigungen, ein geschwächtes Immunsystem, Herzprobleme, Hormonstörungen, Unfruchtbarkeit, Lymphödemen, Depressionen und kognitiven Störungen bis hin zu einem weiteren Krebs. Das ist der Preis für das Überleben„, sagt Frau Prof. Fossa von der Uni Oslo, Leiterin des norwegischen Ressourcenzentrums für Langzeitüberleben nach Krebs und spricht weiter: „Die Patienten müssen wissen, dass eine Krebsbehandlung Folgen hat, eben auch Jahre später“.

Genau darum geht’s Prof. Wiestler eben auch. Nicht nur um die unmittelbare Behandlung. Dazu Prof. P. Albers, Direktor der Urologie am Uniklinikum Düsseldorf: „Solch systematische Aufklärung fehlt in Deutschland. Das Thema Spätfolgen ist bei uns noch nicht angekommen, nicht einmal bei allen Onkologen“.

Ein Beispiel ist die 42-jährige S., deren akute Leukämie geheilt wurde. Einverstanden. Die aber immer müder und kraftloser wurde. Die Ärzte stellten fest

„dass ihr Körper durch die Krebstherapie weder Östrogene noch genug Wachstumshormone bildet und ihr Immunsystem gegen einige Erreger keine Antikörper mehr produziert. Auch wenn die Hormone nun zugeführt werden, die absolute Müdigkeit bleibt“.

Kann man nix machen. Wenn es nun einmal keine Alternative gibt. Tja. Bei Kindern ist das anders: Hier gibt es zwei Netzwerke, die die Spätfolgen erforschen. Die Nachsorgepläne für jede einzelne Krebsart zur Verfügung stellen. Die sich tatsächlich rührend und aufopfernd um jeden einzelnen kleinen Krebspatienten kümmern.

Manchmal haben Kinder es besser.

PS: Absolute Müdigkeit ist ein Hauptthema der molekularen Medizin. Die hilft eben nicht mit Raten, mit Resignation (Schulmedizin), sondern durch streng naturwissenschaftliche Messung und Wissen. Unsere tägliche Praxis.

Und die aufgelisteten Folgen der Chemotherapie (lesen Sie´s nochmal bewusst durch) können selbstverständlich zum großen Teil molekularmedizinisch verhindert werden oder beseitigt werden. MEDIZIN kann!

Es ist Ihr Leben

Zum dritten Mal darf ich hier mit größtem Respekt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg nennen. Und seinen Präsidenten Prof. O. Wiestler.

Der soeben neben seinem Zentrum das „Nationale Centrum für Tumorerkrankungen“ aufbaut. Und der jedem von Ihnen, der aufmerksam gelesen hat, ein völlig neues Verständnis der Krebs-Erkrankung ermöglicht hat. Der Professor scheint unkündbar zu sein. Denn im Gegensatz zu Politikern (die das nicht sind) erlaubt er sich ganz ungewohnte Wahrheiten (Focus 34/2009, Seite 67):

Focus: Sie beklagen die Defizite bei der Krebstherapie in Deutschland. Dies ist ein schwerer Vorwurf gegen die Ärzte, die an Universitätskliniken und Krankenhäusern arbeiten. Worin genau besteht Ihre Kritik?

Wiestler: Im internationalen Vergleich werden deutsche Krebspatienten einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard behandelt. Das muss sich ändern.

Sie sollten das wissen. Sie sollten diesen Satz in sich tragen. Jeder Dritte von Ihnen (noch einmal: Jeder Dritte von Ihnen) wird mit dieser Erkrankung in Deutschland konfrontiert. Und dann sollten Sie sehr wach, sehr aufmerksam, sehr selbstständig suchen und fragen.

Denn wenn wir einem der obersten deutschen Krebs-Forscher glauben, werden Sie „einfach nicht nach dem höchsten wissenschaftlichen Standard behandelt“. Dass das andererseits möglich ist in Deutschland, leuchtet Ihnen ein.
Aber wie gesagt: Da müssen Sie selbst etwas tun.

Ich persönlich hätte da übrigens einen ganz anderen, schüchternen Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie den Krebs gar nicht bekämen? Wie das funktioniert, wissen wir ganz präzise. Nur lässt sich damit keinerlei, aber auch gar kein Geld verdienen.

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