Menschen, klüger als wir

Die Gefahr der Verführung

14.09.2019 | Strunz

Ist die Überschrift über folgenden kitzligen Text. Ich darf zitieren:
„Ein Ziel möglichst schnell und mit geringem Aufwand zu erreichen ist ideal. Ich glaube, der Mensch sucht ständig nach diesem Idealzustand, auch wenn er sich dessen nicht immer bewusst ist.

Die Hoffnung auf eine Abkürzung war für mich verführerisch. Daher ignorierte ich die Tatsache, dass der Weg schon nach wenigen hundert Metern schlechter wurde. Stattdessen hielt ich an meiner Hoffnung fest. Im Endeffekt kostete mich die vermeintliche Abkürzung mehr Zeit und Energie als wenn ich bei den ersten Gegenanzeichen umgekehrt wäre.

Verführerische Abkürzungen gibt es viele: Doktortitel sind für den Karrieresprung käuflich zu erwerben, Doping steigert die Leistungsfähigkeit im Marathon und vieles mehr. Wenn man solche Abkürzungen wählt, ignoriert man Tatsachen. Langfristig zahlen sie sich oft nicht aus. Denn, um die Folgen der Abkürzung zu beheben, benötig man meist mehr Energie als der Weg ohne Abkürzung gekostet hätte.“
Die Wahrheit dieses Satzes hat Lance Armstrong bitterlich erlebt. Denn zunächst stimmt es ja: Doping hilft tatsächlich, ist oft ein wahres Wunder.

Im Berufsleben stehend den Doktortitel zu erwerben ist sehr, sehr mühsam. Also lässt man gerne „schleifen“, schreibt ein paar Seiten ab. Die Gefahr der Verführung. Die Wahrheit dieses Satzes hat schmerzlich erlebt ein Herr von Guttenberg, eine Frau Schavan, und jetzt soeben Ministerin Giffey.

Nichts Außergewöhnliches. Zu dieser Sorte Mensch gehöre ich auch. Erst kürzlich wieder am Gardasee. Der Waldweg wurde schlechter und schlechter, aber „da müssen wir durch“. Pustekuchen. Dann kam die Schlucht.

Wenn Abkürzungen nämlich der richtige Weg zum Erfolg wären, dann wäre die Abkürzung gangbar, gebahnt. War sie aber nicht.

Es gibt sehr wohl Menschen, klüger als wir. Irgendwann muss man sich das eingestehen.

Quelle: Thomas Schmidtkonz: „Waldpfade“. Neu erschienen.

 

Wenn Kinder ihre Lehrer erziehen…

14.09.2019 | Strunz

geht die Sonne auf. Wird die Welt ein bisschen runder. Erleben wir ja soeben bei den Klima-Demonstrationen am Freitag.

Gibt´s auch im Kleinen. Ganz familiär. Hat also eine Frau Doktor, gleichzeitig Mama, ihre Ernährung verändert (in meiner Karteikarte steht „tüchtig“). Stößt natürlich auf leichten Widerstand bei Töchterlein (11 Jahre). Natürlich. Aber wie ich immer sage: Erziehung ist Vormachen. Reden hilft gar nichts. Und dann wird´s amüsant und unterhaltsam.
„Unsere Tochter Aurelia hält uns vermeintlich für etwas schräg mit unserem Low-carb und den ganzen NEMs. O-Ton: „Ich lass mir doch von dem Dr. Strunz meine Nudeln nicht verbieten!“

Jetzt in der Schule Ernährungslehre in Natur und Technik (früher Biologie…). Die Ernährungspyramide. Natürlich gaaaanz viel Vollkorn. Meldet sich unsere Tochter und meint, die Pyramide sei falsch… weil Kohlenhydrate schlecht sind und Fett und Eiweiß gut…. und überhaupt sei das Beste ketogene Ernährung.

„Da haben wir erstmal große Augen bekommen! Die Lehrerin meinte daraufhin zu ihr, das gäbe es, wäre aber gefährlich und nicht für jeden geeignet. Aurelia hat dann zur nächsten Stunde den „Ketokompass“ mitgenommen. Nach 3 Wochen kam er, offensichtlich gelesen, zurück. Die Lehrerin räumte ein, dass da wohl was dran wäre.

„Naja, besser als nichts.

„Unsere Tochter ist übrigens ein Vitamineral Fan und rührt begeistert das Schokoeiweißpulver in ihren Joghurt, liebt das Walnussbrot aus Ihrem Kochbuch und schluckt jeden Tag Omega 3, Vitamin C und Magnesium. Seitdem hat sie höchstens mal einen kleinen Schnupfen. Im Gegensatz zu vorher 2-3 Antibiotikagaben pro Jahr! Die dauernden Wadenkrämpfe und Kopfschmerzen sind weggepustet.
Wegpusten. Eine ganz neue Bezeichnung für erfolgreiche ärztliche Tätigkeit. Klingt wunderschön und elegant. Patient hat Migräne, Doktor bietet an, ihm „den Kopfschmerz wegzupusten“.

Tabletten wie Triptane oder wie Betablocker tun dies nicht. Aber die Gabe einer Natursubstanz wie Magnesium könnte man sehr wohl…. so übersetzen.

Den Lernprozess mitbekommen? Nicht nur bei Töchterlein… vormachen! Sondern auch bei der Lehrerin? Ich war immer der Meinung, dass der Mitmensch grundsätzlich anständig, ehrlich und vernünftig ist. Wenn man ihn mit Respekt behandelt.

Am Anfang dieser Story steht natürlich die Mama. Die Frau Doktor. Lebensklug.

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