Übersäuerung….

 

Übersäuerung mal ganz praktisch

21.10.2019 | Strunz

Purer Genuss. Halte ein soeben gedrucktes Büchlein in der Hand. Farbenfroh. Ein haptisches Vergnügen. Will sagen: Man nimmt es immer wieder gerne in die Hand, streichelt es, drückt es… das liegt am Cover: Eine feste, glatte Folie, wasserabweisend, sehr, sehr angenehm für die Haut.

Als würde man einen Kinderpopo streicheln. Das Büchlein gibt es ab jetzt schon in der 9. Auflage. Scheint beliebt zu sein. Und trägt den Titel

„mineralien
das erfolgsprogramm“.

Weil man es so gerne anfasst, das Büchlein, schlägt man es auch auf. Und liest …
„Macht Übersäuerung Sie „denn nun wirklich krank“? Nein. Es sind die fehlenden Mineralstoffe, die Sie krank machen.

Alle industriellen hochgearbeiteten Nahrungsmittel, in denen kaum noch Mineralstoffe enthalten sind, wie raffiniertes weißes Mehl, das Gebäck vom Bäcker, Zucker und Nahrungsmittel mit wenig Mineralien „übersäuern“ den Stoffwechsel, weil Sie keine Säurepuffer mitbringen.
Auch Eiweiß wird gern von Naturheilpraktikern zum Säuren-Sündenbock gemacht. Aber das lebenswichtige Eiweiß „übersäuert“ überhaupt nicht, wenn Sie genügend Obst und Gemüse essen und damit mineralstoffgepuffert sind. Der Steinzeitmensch hat viel Fleisch, aber eben auch viele mineralstoffreiche Pflanzen zum Abpuffern gegessen.“
Klare Aussage. Basisch machen Sie Mineralien. Entsäuern können Sie sich in wenigen Stunden mit … Mineralien. Und genau von denen spricht das ganze Buch.

Da finden Sie auch zwei so seltsame Sätzchen wie:

  • Mineralstoffe entsorgen schädliches Blei, Kadmium, Quecksilber und andere Schwermetalle aus dem Körper. Heißt: Sie könnten auf die risikoreiche Chelat-Therapie verzichten.
  • Jeder dritte Deutsche hat einen Kropf. Eine Milliarde Euro kostet der Jodmangel pro Jahr. Nun ja: Macht nichts. Wir haben´s ja. 160.000 Rentner, so lese ich, leben aus der Tonne.

Sie merken schon: Das Büchlein liegt mir am Herzen. Noch einmal: Strunz/Jopp „mineralien – das erfolgsprogramm“ 9. Auflage. Bei HEYNE.

Vitamin D

Artikel .1037 vom 21.10.2019

Manchmal verrät ein einziger Satz, eine einzige Überschrift eine neue Wahrheit. Oder andersherum: Enthüllt eine einzige Headline jahrzehntelangen Irrtum unserer Ernährungsexperten, unserer Ärzte. Ich meine die vier Worte

Nonclassic actions of vitamin D

Titel einer wissenschaftlichen Veröffentlichung in J Clin Endocrinol Metab. 94;26:2009

Der Titel sagt uns, dass es anscheinend klassische Wirkungen von Vitamin D gibt und dann – deshalb die neue Arbeit – nichtklassische. Klassisch kennen wir: Vitamin D ist ein Knochenvitamin. Nicht klassisch ist die Erkenntnis, dass Vitamin D das „Allround‐Hormon des Körper“ sei, dass Vitamin D schützt vor

  • Herz/Kreislauferkrankungen
  • Diabetes
  • Das Immunsystem stärkt
  • Tumorwachstum hemmt
  • Nervenzellen schützt
  • Multiple Sklerose und Depressionen zumindest lindert (verhindert)

Die aufgeführten doch recht sensationellen Erkenntnisse sind neu. Die Wissenschaft ist eben nicht bei „Vitamin D ist ein Knochenvitamin“ stehen geblieben.

Stehen geblieben ist das Denken, das Denken über Vitamine bei vielen unserer Ernährungsexperten, unserer Ärzte. Beispiel: Vitamin C taugt halt gegen Skorbut. Punkt. Deshalb die langsam lächerliche empfohlene Mengenangabe von etwa 150 mg täglich. Richtig gegen Skorbut. Stehen gebliebenes Denken.

Und das gilt für praktisch jedes andere Vitamin. Erst ganz, ganz langsam wachen wir auf. Und beginnen uns auch um andere Wirkungen (Vitamin C verhindert Krebs) zu kümmern, dann aber auch um ganz andere Dosierungen. Deshalb waren die neuen, etwa 20‐fach höheren erlaubten Vitamindosen der EU so hilfreich (siehe unten).

Zurück zu Vitamin D: Auf einmal fällt dann eben auf, dass dieser ungeheuerliche Satz, heute noch zu hören und nachzulesen, so völlig daneben liegt. Der Satz „Vitamine haben wir alle genug. Man muss sich nur ausgewogen ernähren“.

Heute gilt laut Robert‐Koch‐Institut, dass mehr als die Hälfte der Deutschen in allen Altersgruppen zu niedrige Vitamin‐D‐Blutspiegel haben (Eur J Clin Nutr 62;1079:2008).

Dass je nach Bezugswert sogar 90% der Kinder und Jugendlichen einen Vitamin‐D‐Mangel aufweisen (J Nutr 138;1482:2008). Bei älteren Menschen sind mehr als 70% betroffen.

So viel zu der Gebetsmühle: Vitamine haben wir alle genug. Dass man hier langsam aufwacht in Deutschland, lässt mich als Arzt sehr wohl aufatmen.

Langsam aufwacht? Auch heute hat jeder zweite meiner Patienten erschreckenden Vit D-Mangel. Es ist IHR Leben, IHRE Lebensenergie, IHRE Lebensfreude!

Vitamine? Europa blamiert Deutschland

Und zwar bis auf die Knochen. Natürlich war es schon immer so, dass Deutschland alles besser wusste. Dass wir die Wahrheit gepachtet haben. Und für dieses „wir“ haben wir deutsche Behörden geschaffen. So das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), deren Beamten uns sagen, wie wir unser Leben zu gestalten haben.

Kam die Globalisierung. Peinlich. Da sickert doch plötzlich ausländisches Wissen durch deutsche Grenzen. Verdirbt unseren Beamten den ganzen Spaß. Wenn Sie einmal die unten stehende Tabelle studieren, verstehen Sie, weshalb eine ganze Behörde, eine Bundesbehörde derzeit, seit 2008, einen knallroten Kopf hat (denk ich mir: hoffentlich).

Die haben uns seit Jahrzehnten Angst gemacht und erzählt, wie gefährlich Vitamine sind. Dass wir strenge Grenzen einhalten müssen. Die Welt hat uns immer ausgelacht. Jetzt ganz offiziell:

Vitamin Europa (EFSA):
Oberer sicherer Bereich
Deutschland (BfR):
Obergrenze
A 3000 µg 400 µg
D 50 µg 5 µg
E 300 mg 15 mg
Beta Carotin zu wenige Daten 2 mg
Vitamin C Keine Obergrenze 225 mg
B1 Keine Obergrenze 4 mg
B2 Keine Obergrenze 4,4 mg
B3 Nicotinamid 900 mg 17 mg
B6 25 mg 5,4 mg
B7 (Biotin) Keine Obergrenze 18 mg
B9 (Folsäure) 1000 µg 400 µg
B12 bis 5000 µg 3-9 µg

Meine höfliche Bitte: Schicken Sie mir in Zukunft nicht mehr die üblichen Briefe mit der üblichen Frage: Wie können Sie, Dr. Strunz, solche Überdosen an Vitaminen empfehlen. Das Wort Überdosen lässt mich immer zusammenzucken. Jetzt wissen Sie weshalb.

Die Fakten wurden zusammengestellt von A. Jopp.

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Leichte Bettlektüre: Süße Früchte

21.10.2019 | Strunz

Fruchtzucker. Kennen Sie inzwischen. Eine Säule der amerikanischen Wirtschaft. Wird dort gewonnen von unendlich weiten, wogenden Maisfeldern. Die Subventionspolitik ist kein Geheimnis. Fruchtzucker aus Mais ist eben ein bisschen billiger als der übliche Zucker. Und das weiß die Lebensmittelindustrie drüben. Die Fruktosemenge im Fruktose-Glukose-Sirup, der in den USA als High Fructose Corn Syrup oder HFCS bezeichnet wird, schwankt zwischen 60 und unglaublichen 90 Prozent.

Resultat ist der außergewöhnliche Leibesumfang eines leider großen Anteils der Amerikaner – nicht selten ab 200 Kilo aufwärts. 34 Prozent der US Amerikaner sind adipös, also fettleibig. Ärzte versinken beim Abtasten des Rumpfes bis zum Handgelenk in diesem typischen Fruktosefett. Fast könnte man sagen: „fluffy“. Nur: Lustig ist das nicht. Das ist gefährlich. Führt zu sogenannten Zivilisationskrankheiten, verkürzt die Lebensdauer. Fruchtzucker ist sogar zehnmal gefährlicher, wenn es um die Entstehung von Alzheimer geht. Wer das weiß, sieht die übersüßen importierten Obstauslagen in unseren Kaufhäusern mit ganz anderen Augen. Kinderketchup mit „Süße nur aus Früchten“ sowieso.

Fruktose macht fett. Aber nicht nur das: Es geht hier auch um Durchfall nach Apfelsaft, es geht um Blähungen und Bauchkrämpfen nach Obstsalat und Müsliriegel. Inzwischen vertragen 40 Prozent von Ihnen Fruchtzucker immer schlechter. Wie gesagt: Blähungen und Bauchkrämpfe. Habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit als Arzt von Ihnen praktisch nie gehört. Und jetzt täglich. Weshalb?

Bis vor wenigen Jahren haben Sie mit Früchten und Honig etwa 20 Gramm Fruktose gegessen. Höchstens. Haben Sie vertragen. Ab 25 Gramm kommt es bei jedem Zehnten zu Aufnahmeengpässsen. Wird die Fruktosemenge auf 50 Gramm gesteigert, können dies 60 Prozent der gesunden Menschen nicht mehr aufnehmen. Und die Hälfte davon bekommt Blähungen. Jetzt kommt’s: Aus den USA wissen wir, dass die durchschnittliche Fruktosemenge derzeit 80 Gramm pro Tag beträgt. Krankhaft viel.

Bei diesen Mengen kann Fruktose nicht mehr rasch genug im Dünndarm aufgenommen werden. Gelangt in den Dickdarm, wird dort durch Bakterien zersetzt zu Gasen. An denen leiden Sie. Verstärkt übrigens wird Ihr Leiden durch Sorbit. Sorbit hemmt zusätzlich die Fruktoseaufnahme im Dünndarm. Sorbit kommt vor in Birne, Pflaume, Aprikose. Und in vielen als „zuckerfrei“ deklarierten Süßigkeiten.

Übrigens haben Affen im Zoo genau die gleichen Probleme wie wir: schlechte Verdauung, schlechte Zähne, sogar Diabetes. Experten für Tierernährung im britischen Paignton Zoo fanden heraus, dass Bananen für Affen genauso ungesund sind wie für uns Menschen zu viel Kuchen oder Schokolade. Da gibt’s jetzt wohl Gemüse.

Fazit: Uns geht’s gut. Unsere Vorfahren hatten hierzulande keine Bananen, Kiwis, Mangos von Januar bis Dezember. Zuckersüß gezüchtet sowieso nicht. Und keine Softdrinks. Nachdenken: Gab ´s da nicht gerade jetzt irgendwo…. heimisches Obst? Pflaumen? Oder gar: Gemüse!?

Quelle: Wo finden wir solche Unterhaltungs-Lektüre? In einem als Bettlektüre gedachten kleinen Büchlein, dem „Strunz-Kalender 2020“. Unterhaltsames zum Einschlafen….

Respekt, Anstand, Demut

22.10.2019 | Ulrich Strunz jun.

Gast News Nr. 84 von Strunz Ulrich jun.

Die erst kürzlich publizierte News „Sport ersetzt Schmerzmittel“ vom 08.10.2019 (siehe hier) erzählt Ihnen das größte Geheimnis meines Vaters – nur eben nicht ganz.

Was er Ihnen natürlich nicht erzählt hat:

Wie er als junger Mann aufgrund seiner kaputten Knie seine Tanzkarriere beenden musste. Dass er als 1er-Schüler, dem der damalige Bundespräsident zum Abitur noch die Hand schüttelte, jetzt mit Heizdecke über den Beinen im Hörsaal, auch mal heulend am Straßenrand saß. Weil die Schmerzen ihn übermannten.

Natürlich ist man als derart erfolgreicher Schüler und Student nicht sonderlich beliebt. So ein Tiefschlag treibt dich nur noch mehr in die Außenseiterrolle. Niemand hilft dir bei deinen Schmerzen.

Bei enormen Schmerzen merkt man, wie alleine man sein kann.

Jetzt kommt ein Professor aus dem Waldkrankenhaus Erlangen, und gibt etwas Hoffnung. Wie in der News beschrieben.

Nur, warum sollte man denn jetzt, im Unglück, als Opfer dem niemanden hilft, als junger naiver Mann, sich von den Worten helfen lassen? Es ist ja noch lange nicht gesagt, dass man jetzt die Worte umsetzt.

Also trotz Schmerzen, üble Schmerzmittel schluckend, sich weiterbewegt. Nicht aufgibt?

Was treibt den Menschen an, aus seiner Opferrolle heraus zu springen, und für kurze Zeit etwas noch schmerzhafteres zu tun,…um auf lange Sicht weniger Schmerzen zu empfinden?

Die Antwort meines Vaters: Respekt. Er hatte Respekt vor Professoren. Es war nicht die Verzweiflung, sondern der innere Glaube, dass eine Person, die er respektierte, auch etwas Wahres sagen muss.

Respekt, zum Beispiel vor dem Tier, führt zum Anstand. Der Anstand kommt aus der Jagd. Man stellt sich vor der Jagd auf, wohl wissend, dass man nun ein Tier töten wird, damit es im eigenen Magen landen wird. Man gibt hier zu, egoistisch zu handeln. Das zuzugeben, ist Anstand.

Anständig zu sein erfordert, sein besserwisserisches Ego loszuwerden. Das Ego verringert sich radikal zum Beispiel mit 150 Stunden Bodenkampftraining, also durch mentale und körperliche Schmerzen.

Völlig erlischt Ego durch Demut. Nicht irgendeine Demut. Meditation bedeutet, eigentlich, vom einen Bewusstsein wahrgenommen zu werden. Um in diesen Zustand zu gelangen, zum Beispiel durch die Übung 27 „Realitäten verschieben“ (siehe „Arsch hoch beginnt im Kopf“), erfordert es, Respekt und Anstand zu begreifen.

Fehlen Respekt, Anstand und die Erfahrung der Demut, wird ein Menschelein sitzen bleiben, weiter – zu Recht – weinen. Und vielleicht aus Schmerz und Hass andere Menschen mit sich reißen.

Sie dürfen das eine Bewusstsein, das nicht Sie wahrnehmen, sondern das Sie wahrnimmt, besuchen. Ganz kurz. Das ist mir mit 14 passiert. Es war überwältigend, beängstigend, völlig real und gewaltig. Seitdem verstehe ich, wo Demut herkommt und was sie bedeutet. Es ist ein GEFÜHL

Ein Gefühl, so überaus wichtig: Für den Einzelnen und für ein ganzes Land.

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