doppelt

Doppelschlag

13.06.2021  Strunz GmbH  Drucken

Sportler, also wirkliche Leistungssportler sind ja nicht nur im Umgang mit ihrem eigenen Körper etwas herb und dementsprechend kurz angebunden, wenn der mal wieder nicht so richtig funktioniert, sondern übertragen diesen Charakterzug auch auf ihren Umgang mit dem Mitmenschen. So jedenfalls interpretiere ich die mail von heute. In der mir ein offensichtlich hochklassiger Sportler mal kurz und knapp erklärt, wie

gefälligst

das Leben und wohl auch ich als Arzt zu funktionieren habe.

Rätselhafte Einleitung. Mich hat die mail einfach nur erfreut und begeistert. Eben weil nicht seitenlang, sondern präzise zur Sache. Darf ich?

„Zunächst erlaube ich mir festzustellen, dass meine bei meinem letzten Besuch bei Ihnen vorgetragenen gesundheitlichen Themen gelöst sind …“

Na und, denken Sie. Ich gucke nach in meinen Aufzeichnungen. Da stand u. a.

Verminderte Sehkraft
Schwache Libido
Unzufrieden mit Muskelaufbau
Angststörung

Jeder einzelne Punkt sehr wohl ein Problem, oft unlösbares Problem für den normalen Arzt. Sehkraft? Ich bitte Sie. Man wird halt älter. Die Libido? Meine Güte: Sie sind doch über 50, oder? Und Muskel; wozu brauchen Sie den? Ernähren Sie lieber Ihre Familie. Bleibt als – für den Arzt – kleiner Höhepunkt die Angststörung. Was soll man da machen, außer Psychopharmaka zu verabreichen. Oder jahrelange Gesprächstherapie.

Und all diese „gesundheitlichen Themen“ seien gelöst, erfahre ich hier kurz und knapp ohne weitere Erläuterungen. Wissen Sie was? Auf solche Kurzmitteilungen bin ich einfach nur stolz. Angststörung weggeblasen? Die Sehkraft wieder hergestellt? Wenn das nicht allround-Medizin ist …. Nun ja.

Das war Teil 1. Im nächsten Satz haut er mir kräftig auf den Deez (bayer. Ausdruck für Kopf/Gehirn). Und erwähnt nebenbei:

„Ich persönlich konnte auch meine Zwift Zeit zu Alp d’Huez auf unter eine Stunde verbessern.“

Kennen Sie Alp d´Huez? Weltberühmter Serpentinenweg steil in die Höhe. Jedes Jahr Höhepunkt der Tour de France. Ich kenn wohl jeden Meter inzwischen auswendig. Bin mitgeklettert, mitgefahren, habe mitgelitten. Sicher über 100 Mal. Und weiß, dass eine gute Zeit für unsereins beispielsweise 1:07 h ist.

Und der braucht unter eine Stunde. Trifft mich. Habe dieses Diktat unterbrochen und bin
1,5 Stunden aufs Ergometer. Volllast. Bergzeitfahren.

Jetzt verstehen Sie die Überschrift. Doppelschlag. Erst Wunderheilung, dann das unter Altersklasse-Sportlern so typische „ätsch, bätsch!“.

Sehen Sie, das empfinde ich als wünschenswerten normalen Umgang miteinander. Jedes Lob verknüpfen mit einem (lächelnden) Ansporn …VORHERIGE NEWS

Runderneuert

12.06.2021  Strunz GmbH  Drucken

Meine allererste Patientin als niedergelassener Arzt – unvergesslich – beklagte sich im ersten Satz, inzwischen zehntausendfach wiederholt, wie folgt

„Herr Doktor, ich bin innerlich so unruhig“.

Aua. Da hatte ich gerade 17 Jahre Universitäts-Ausbildung hinter mir, war Internist, Radiologe, Gastroenterologe, Laborarzt, und wurde jäh und unerwartet mit der Realität konfrontiert.

Also nix etwa „Multiples Myelom mit ossärer Beteiligung“. Oder kompliziertes autoimmunes Geschehen, auf welches der Universitäts-Arzt bestens vorbereitet wäre, sondern Alltag. Banaler Alltag:

INNERE UNRUHE.

Ein mir inzwischen lieb vertrauter Begriff. Man lernt, sich einzufühlen, zu verstehen, und man kennt so ziemlich alle Lösungsmöglichkeiten bis hin zu Fluspi 1,5.

Wissend, dass Sie mit Ihrer „inneren Unruhe“ von der Schulmedizin in aller Regel im Stich gelassen werden. Typische Ratschläge „mal Urlaub“, oder „kürzer treten“, oder „Sauna, dann kalt duschen“. Kümmerlich. Wie fast immer, liegt die Lösung in der Molekularmedizin. In meinem inzwischen Glaubenssatz:

„Stimmen die Moleküle,
stimmt der Mensch.“

So wunderhübsch formuliert in der mail von heute. Schlicht, einfach, wohltuend und dennoch von ungeheuerlicher Durchschlagskraft. Gemeint ist: Wie viele meiner Kollegen bekommen solch einen Brief? Ein einziges Mal im Leben? Das Sensationelle hinter dieser mail kann wohl nur ein vielgeplagter Hausarzt ermessen ….

Für Sie, liebe Leserinnen, lieber Leser ein möglicherweise inzwischen gewohnter Text. Für mich jedes Mal etwas ganz Gewaltiges, ein Wunder. Hören Sie einfach mal zu:

  • „Ich bin jetzt mit dem Einnahmeplan fertig und habe festgestellt, dass es mir viel besser geht als vorher.
  • Ich habe gute Laune und mehr Energie. Auch wenn es mit dem Sport noch nicht so ganz klappt. Aber ich bleib dran.
  • Dank dem Magnesium ist mein Schlaf wesentlich besser geworden,
  • ich bin nicht mehr unruhig,
  • habe kein Augenlidzucken mehr,
  • die unruhigen Beine sind auch verschwunden.
  • Auch das Herzklopfen ist verschwunden.“

Nach diesen netten Dankes-Worten kommt dann „Einfach Klasse!“ und die übliche Drohung: „Ich werde Sie auf jeden Fall wieder in Ihrer Praxis besuchen …“ Kinder! Mal herhören! Ich bin Rentner! Hatte mir das so schön vorgestellt, morgens gegen 11 Uhr Beine hochlegen, Kaffee schlürfen und in der FAZ blättern … Tja. Sie scheinen damit nicht einverstanden.

Ist das nicht eine wunderschöne mail? Da springt und hüpft doch jedes Wort. Hell. Fröhlich. Zufrieden. Vielleicht sogar glücklich.

Könnte man runderneuert nennen. Was natürlich impliziert, dass dieser Zustand schon einmal gelebte Wirklichkeit war. Wir vergessen immer das Glück unserer Jugend …. Wer oder was hat uns wohl aus diesem Paradies vertrieben?

Molekularmedizin. Das wundersame Türchen … zurück?VORHERIGE NEWSZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

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