bei übergewichtigen Covid-19-Patienten

Corona und chronische Entzündung

17.12.2021  Strunz GmbH  Drucken

Covid-19 in der milden Form ähnelt einem grippalen Infekt. Wissen Sie. Jeder von uns ist inzwischen fast eine Fachfrau/mann.

Covid-19 in der schweren Form, wie wir ihr in den Krankenhäusern begegnen, ist gekennzeichnet durch einen ausgeprägten Infekt der Bronchien, der Lunge, multiples Organversagen bis hin zum Tod. Dabei beobachten wir massive generelle Entzündung, kulminierend im sog. Zytokin-Sturm.

Längst bekannt war, dass eine auch nur schwache chronische Entzündung durch zelluläre und molekulare Veränderungen den Boden bereitet für SARS-CoV-2 und schlussendlich zu „Entgleisung“ führt. Kommt hinzu, dass auch schwache chronische Entzündung

  • das Immunsystem chronisch hochfährt, überfordert, und
  • das Immunsystem entgleisen lässt, also schwächt

Da kommen Forscher von der University of Miami, Department of Microbiology and Immunology und fahren fort:

ÜBERGEWICHT ist ursächlich vergesellschaftet mit ständiger chronischer Entzündung, schädigt die Funktion unserer Immunzellen und schwächt unsere Immunität.“
Übergewichtige, so konnte längst gezeigt werden, reagieren empfindlicher auf Infekte, reagieren viel schwächer auf schützende Impfung. Deshalb, so meinen die Autoren, ist Übergewicht – rein theoretisch – ein Risikofaktor für Covid-19-Patienten. Und tatsächlich hat man in den letzten, auch die Medizin, die Krankenhäuser sehr belastenden Monaten längst gezeigt, dass Übergewichtige mit BMI über 30 sehr viel häufiger auf Intensivstationen landen als schlanke Menschen (BMI unter 30) (Quelle: Clin Infect Dis 2020; 71:896).

In der gestern aufgeführten Studie ist man diesem Unterschied zwischen schlank und übergewichtig nachgegangen und hat gezeigt, dass die beiden Gruppen sehr verschieden auf das Corona-Virus reagieren.

Grundsätzlich produzieren beide Antikörper. Dann aber:

  • schlanke Menschen produzieren mehr erwünschte, schützende Antikörper.
  • Übergewichtige produzieren deutlich mehr schädliche, autoimmune Antikörper.

Für mich als Praktiker ganz wesentlich: Schädliche, autoimmune Antikörper findet man bereits bei „gesunden“ massiv Übergewichtigen. Die sind also vorbelastet (Front Immunol 2021; 12:616650).
Die Forscher kommen zum Schluss:

  • Daher sollte man – betrifft Klinikärzte – in Zukunft unbedingt die QUALITÄT der erzeugten Antikörper (durch Corona) bei übergewichtigen Covid-19-Patienten messen und bestimmen, um diese „verletzliche Bevölkerungsgruppe“ (wörtlich) vor dem Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 zu schützen.

Bitte erlauben Sie einen Kommentar:

  • Das stimmt. Einverstanden. Jetzt, hier, heute, wenn der schwerkranke Patient vor uns steht, haben wir so zu handeln.
  • Vielleicht aber sollten besonders wir Ärzte, jetzt, hier, heute, aufgeschreckt durch die Pandemie, uns am eigenen Krawattel fassen und jetzt (!) darüber nachdenken: Was habe ich ganz konkret in den vergangen Jahren gegen die zunehmende Verfettung nicht nur meiner Patienten, sondern der Bevölkerung getan?
    Corona weckt auf.

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