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Dann hast Du zwei Stunden, um die Tasche zu packen.

er Leiter käme erst in einer halben Stunde, erfuhr ich. Zeit also, um ein wenig mit den Jungs ins Gespräch zu kommen. Ob der Pissegestank aus dem Asylheim käme, fragte ich. Ja, antwortete der jüngere von beiden. Und, fuhr ich fort, wie ist so die Lage? Cedrick – so nennen wir den Jüngeren – fragte, ob ich „das von voriger Woche mitbekommen“ hätte. Hatte ich nicht.

„Na die haben das Sozialamt angegriffen. Mit Eisenstangen, Holzknüppeln und Pflastersteinen. So einem Lockenhaarigen aus Eriträa hat dort irgendetwas nicht gepasst. Da kam er zurück, hat die Meute mobilisiert und dann sind sie losgezogen und haben dort die Fensterscheiben eingeschlagen.“

Er zeigte mir auf seinem Smartphone einen Bericht aus der lokalen Boulevardpresse, wo der Vorfall als „Schlägerei“ verniedlicht wurde.

„Die Frauen haben sich vor Angst in die Räume eingeschlossen. Heute morgen war auch erst wieder so ein Vorfall. Da hat einer mit einer Waffe eine Frau bedroht. In der Stadt drin.“

„Eine Feuerwaffe?“

„Ja.“

„Echte oder Schreckschuss?“

„Das wissen sie noch nicht. Die haben ihn noch nicht geschnappt.“

„Und die hiesigen Einwohner?“

„Viele haben Angst. Und das sieht man ihnen auch an. Viele interessiert es aber auch nicht.“

„Wie soll denn das weiter gehen? Der Zustrom reißt ja nicht ab…?“

Cedrick hob die Schultern. Das könne man auch nicht sagen, meinte er. Dass es besser würde, damit rechne jedenfalls keiner. Und womit rechneten beispielsweise die Security-Leute, fragte ich. Cedrick tat sich etwas schwer, das Wort „Bürgerkrieg“ auszusprechen. Er sagte bürgerliche… kriegerische… Aber es war klar, was er meinte. Diese Menschen, fuhr er fort, wären ja eiskalt. Gefühlskalt. „Die fuchteln Dir mit dem Messer vor dem Gesicht herum, und wenn Du denen dann eine Knarre an den Kopf hältst, lachen sie bloß.“

„Und sowas kommt tatsächlich vor?“, fragte ich.

„Ja, hatte ich erst gestern hier, den Fall.“

„Greift ihr dann auf Eure Nahkampfausbildung zurück?“

„Wir sind schon trainiert für sowas. Wir müssen auch alle vier Monate zur Weiterbildung.“ Ein junger, dunkelhäutiger Mann kam aus dem Gelände und schob ein Fahrrad mit Platten.

„Das hier“, sagte Cedrick leise zu mir, „ist der Eriträer, der den Aufstand angezettelt hat.“

„Und der läuft noch frei herum?“

„Was wollen sie denn machen? Eine Geldstrafe verhängen?“ Cedrick machte ein Miene, die sagen wollte: lächerlich!

„Das läuft alles über deren Vorbeter“, fuhr er fort. „Jeden Tag treffen die sich im Hof und scharen sich um einen. Und diese Vorbeter sind es auch, die die Leute im entscheidenden Moment aufwiegeln.“

„Glaubst Du, dass die Vorbeter dann zum Beispiel eine Meldung über ihre Smartphones bekommen?“

Cedrick nickte, „zum Beispiel.“

Viele Asylanten kamen mit dicken Einkaufstüten. Ich sah Weißbrote herausragen. Heute wäre Opferfest, meinte Cedrick. Da seien auch schon alle gespannt. Das könne auch noch heiß werden. Die Opferung fände nachher im Hof statt. Ich war verblüfft, dass man den Migranten so etwas hier erlaubte. Woher denn die Opfertiere stammen würden, fragte ich. Na, vom Metzger, lächelte Cedrick schief.

„Tote? Lebendige?“

Er hob die Schultern. „Wenn sie ein Lamm brauchen, holen sie halt irgendwo eines von der Weide. So läuft das hier. Das kümmert keinen.“

Mir fiel auf, dass nicht viele ein Rad hatten. Woher denn die Räder wären. Spenden?

„Spenden“, erwiderte Cedrick, „oder geklaut. Wir hatten in der Stadt (Anmerkung: ca. 90.000 Einwohner) innerhalb des letzten Jahres zehntausend Fahrrad-Diebstähle. Das will ich nicht alles den Flüchtlingen zurechnen, aber die Zahl ist schon enorm.“

Ein Kleinwagen mit Berliner Kennzeichen fuhr vor. Ein Mann mit kurzgeschorenen Haaren und persischem Teint lenkte ihn in die Einfahrt. Eine Frau mit Kopftuch stieg in das Auto, setzte sich auf die Rückbank und verschwand gänzlich unter einem Betttuch, das vom Beifahrersitz bis zur Heckklappe gespannt war. Das Betttuch beulte sich aus, weil die Frau darunter sich bewegte. Die Szene hatte etwas Unheimliches. Der Wagen fuhr davon. Ob sie jemals wieder hierher zurück kommen würde? Ob ich gerade Zeuge gewesen war, wie jemand in die totale Anonymität abtaucht?

Ich fragte Cedrick, der das nicht gesehen hatte, ob denn die Securitys untereinander Informationen austauschen würden. Klar, antwortete Cedrick. Alle Securitys wären mittlerweile deutschlandweit vernetzt. Im Notfall – also wenn es zu einer breiten Eskalation kommen sollte – könne man sogar auf Rocker zurückgreifen. Die würden aber nur mithelfen, wenn ihre eigenen Leute in Gefahr wären.

Ob er wisse, fragte ich ihn, wenn es zum Schlimmsten, einem Bürgerkrieg etwa kommen sollte, ob sich für diesen Fall irgendwelche Untergrundeinheiten bilden würden oder bereits gebildet hätten, um für Deutschland zu kämpfen? Sicher gäbe es die, antwortete er. Das Problem sei nur, dass diese Leute dann sofort von der Polizei verhaftet würden, nicht aber die Migranten. Cedrick erzählte mir von eingeschleusten IS-Kämpfern und dass man sich in der Security-Szene darüber große Sorgen mache. Er erzählte vom ehemaligen NSU, einer immer noch präsenten rechtsradikalen Szene in der Gegend, aber auch davon, dass diese Szene eben nach wie vor stark vom Verfassungsschutz unterwandert sei. Alles sei ziemlich kompliziert.

Ich fragte Cedrick, ob er eine Freundin hätte.

Er nickte.

Und ob er diese schon eingeweiht und vorbereitet hätte.

Cedrick antwortete: „Ich habe zu ihr gesagt: Wenn es los geht, rufe ich Dich an. Dann hast Du zwei Stunden, um die Tasche zu packen. Dann hole ich Dich mit dem Auto ab und dann müssen wir verschwinden. An die Küste oder so. Irgendwohin. Weit weg.“

Ihr

Marko Wild

Vor dem Asylheim: Gespräch mit einem Security-Mann

Kriegsflüchtlinge werden im Nachbarland des Krieges vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) registriert und betreut. Der UNHCR kann die Flüchtlinge dann auf weitere Zielländer verteilen, sofern diese netterweise anbieten, Flüchtlinge aufzunehmen.

Wenn also die deutsche Bundesregierung syrische Flüchtlinge aufnehmen wollte, bräuchte sie nur beim UNHCR anzurufen. Der UNHCR würde ihr jederzeit 500.000 Syrer schicken, gern auch eine Million:

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Der Maulkorb ist da und gehört halt mit zur bestehenden Diktatur

Der Ruf und die Glaubwürdigkeit der Pharmaindustrie sanken in dieser Woche auf ein erneutes Tief, nachdem die Preisanhebung für »Daraprim« (Pyrimethamin) bekannt wurde, einem antiparasitischen Arzneimittel, das die Weltgesundheitsorganisation auf die Liste unentbehrlicher Medikamente gesetzt hat: von ehemals 13,50 Dollar pro Tablette auf jetzt 750 Dollar. Bereits seit den 1950ern auf dem Markt, wurde das Medikament im vergangenen Monat von Turing Pharmaceuticals erworben, einem Start-Up-Unternehmen, das von Martin Shkreli geführt wird, einem vormaligen Hedge-Fond-Manager. Angesicht des sogar von globalen Massenmedien an den Tag gelegten Entsetzens über diesen jüngsten Fall von „Pharma-Gier“ erstaunt umso mehr Shkrelis Versuch, den Preisanstieg von 5000% auch noch als „altruistisch“ zu bezeichnen.

Abgehärteten Beobachtern fällt sofort ins Auge, dass dieser Vorgang geradezu exemplarisch illustriert, weshalb wir in Bezug auf die Pharmaindustrie von dem „Geschäft mit der Krankheit“ sprechen. Durch den Besitz der Rechte und damit die Kontrolle über die Vermarktung synthetischer Verbindungen – hier als „medizinische Wirkstoffe“ bezeichnet – gelingt es den Arzneimittelherstellern, ihre Profite nach Gutdünken selbst zu bestimmen. Indem sie nach unternehmerischen Prinzipien agieren und Teilhaberinteressen verpflichtet sind, befördern sie eine rücksichtslose und zynische Investment-Industrie, die vom Gedanken der Wertsteigerung der Unternehmen angetrieben wird, nicht jedoch von der Maßgabe, die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Für die skrupellosen Magnaten hinter dieser Industrie haben Profite die höchste Priorität, nicht die Interessen von Patienten.

Indes nehmen die Nachweise für diese unersättliche Gier merklich zu, und auch öffentliche Enthüllungen wie die gegenwärtig laufende tragen zweifellos dazu bei, dass immer mehr Patienten die Augen für die schockierende Wirklichkeit der Pharmabranche geöffnet werden. In einem jüngst veröffentlichten Bericht von PatientView, einer in Großbritannien ansässigen Forschungs-, Verlags- und Beratungsorganisation, bewerteten 76 Patientengruppen die Glaubwürdigkeit von einigen der weltweit führenden Pharmaunternehmen. In einer vernichtenden Anklage des „Geschäfts mit der Krankheit“ stuften Patienten den allgemeinen Ruf der Pharmaindustrie als so niedrig ein, dass er praktisch ins Bodenlose kippt. Keine der Gruppen schätzte diese Industrie als exzellent ein. Die einzige noch geringer bewertete Branche war die der gewinnorientierten Versicherungsgesellschaften.

Nimmt man eine Umfrage von 2013 hinzu, derzufolge die meisten Menschen der Überzeugung sind, die Pharmahersteller sähen die Krebskrankheit zuallererst als eine Gelegenheit, um daraus Geld zu schlagen, anstatt dass sie Interesse daran hätten, diese Erkrankung aus der Welt zu schaffen, so wird klar, dass Patienten in verstärktem Maße die schwerwiegenden und unauflösbaren Interessenskonflikte zwischen der Pharmaindustrie und der öffentlichen Gesundheit erkennen. Gänzlich anders stellt sich diese Situation gleichwohl aus Sichtweise der Pharmamanager dar: Bei ihnen dürfte die Erkenntnis, dass ihr Kartenhaus, welches ihnen mehr als eine Billion Dollar jährlich einträgt, vor dem Zusammenbruch steht, für tief greifende Bestürzung sorgen.

Vor dem Hintergrund unseres Ziels: der weltweiten Umsetzung eines Gesundheitswesens, das auf den wissenschaftlichen Durchbrüchen in den Bereichen der Vitaminforschung und der Zellgesundheit basiert, ist es hingegen bedeutsam, keinesfalls aus den Augen zu verlieren, dass die Lösung der globalen Krise der Gesundheitssysteme schlechterdings nicht darin besteht, niedrigere Preise für Arzneimittel zu verlangen. Insofern kann der jetzige mediale Furor über Turing Pharmaceuticals und Martin Shkreli teilweise als Ablenkungsmanöver aufgefasst werden, mithilfe dessen das Kernproblem, nämlich das Unvermögen pharmaorientierter Gesundheitssysteme, die eigentlichen Ursachen von Krankheiten anzugehen und zu beheben, übertüncht wird. Kurz gesagt besteht das Problem mit den Medikamenten nicht schlicht in ihrem Preis, sondern in ihrer Unwirksamkeit.

Letztlich gelingt es nur durch die breite Aufklärung über die lebensrettenden Durchbrüche der Ernährungsforschung und Zellular Medizin und entsprechend durch die Beseitigung von Mikronährstoffdefiziten, dass ein neues, tatsächlich auf Prävention ausgerichtetes Gesundheitswesen auf unserem Planeten Wirklichkeit wird. Da also die Vertrauenswürdigkeit der Pharmaindustrie nun mehr und mehr in Fetzen geht, ist es für Verteidiger der Vitaminfreiheit allerorts an der Zeit, gemeinsam das Menschenrecht auf eine natürliche, vorbeugende Gesundheitsversorgung umzusetzen.

http://www4ger.dr-rath-foundation.org/infothek/features/medikamente-loesen-die-krise-der-gesundheitssysteme-nicht.html